Jurist, Teilnehmer an der Ungarischen Revolution von 1956, Mitangeklagter im Imre-Nagy-Prozess, Leiter des Redaktionskomitees der Bibó-Festschrift, Mitinitiatoren des Treffens in Monor.

Ferenc Donáth wurde 1913 in Jászárokszállás in einer Intellektuellenfamilie geboren. Sein liberal eingestellter Vater war Rechtsanwalt.

Bereits 1930 war Donáth an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Loránd-Eötvös-Universität Budapest eingeschrieben. Er war überzeugter Marxist, interessierte sich für die Tätigkeit der illegalen kommunistischen Partei, fand Anschluss an die kommunistische Studentenbewegung, wurde 1934 Mitglied der Partei Ungarischer Kommunisten und knüpfte Kontakte zu linken Intellektuellen. 1935 schloss er sein Studium an der Juristischen Fakultät ab. 1936 nahm er an einem studentischen Gesprächskreis an der Universität Debrecen teil, die Donáth zufolge eine entscheidende Zäsur im Leben der teilnehmenden Studenten und Intellektuellen darstellte. Mit den Studenten aus dem linken Milieu in Debrecen, die er damals kennenlernte, verbanden ihn bis an sein Lebensende Freundschaften und gemeinsame politische Überzeugungen.

Durch sein Interesse für die Agrar- und Bauernfrage schloss er auch immer engere Kontakte mit Schriftstellern aus bäuerlichen Traditionen. Später wurde er zum Vermittler zwischen national und liberal orientierten Gruppierungen. So war er zum Beispiel 1939 bei der Gründung der Nationalen Bauernpartei anwesend. Er verfasste Beiträge für die Presse und wurde ebenfalls 1939 Redaktionsmitglied bei der Wochenzeitung „Szabad Szó“ (Freies Wort).

1940 wurde er verhaftet, kam jedoch nach mehrwöchigen Ermittlungen wieder frei. Für eine gewisse Zeit verlor er den Kontakt zur kommunistischen Partei. Als Ungar jüdischer Herkunft wurde er zur Zwangsarbeit abkommandiert, von der er im Dezember 1940 zurückkehrte. Der erneuten Einberufung zur Zwangsarbeit im Jahre 1941 entging er aufgrund einer Lungenerkrankung.

Ab 1942 betätigte er sich in der Illegalität. Er war an der Gründung der Kommunistischen Partei beteiligt, in der Parteiführung aktiv, redigierte die Parteipresse und schuf Parteiorganisationen in der Provinz. 1944 war er an Verhandlungen zwischen verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Widerstandsbewegung sowie an der Entstehung der Märzfront, einer Bewegung linker Intellektueller, beteiligt und wurde Redakteur der illegalen Zeitschrift „Szabad Nép“ (Freies Volk). 1945 arbeitete er in Debrecen in der Kommission, die die Bodenreform vorbereitete, schrieb an der Verordnung über die Bodenreform mit und sorgte im Landesrat für die Bodenreform und deren Durchsetzung. Von 1945–48 war er Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, Mitglied des Parlaments und des Zentralkomitees der Partei Ungarischer Kommunisten. 1947 wurde er erneut Parlamentsabgeordneter, verzichtete 1948 auf seinen Posten im Ministerium und wurde Vorsitzender des Sekretariats der Kommunistischen Partei.

1950 nahm die Zentrale Kontrollkommission Ermittlungen gegen Donáth auf. Im Januar 1951 wurden er, seine Frau und deren Eltern verhaftet. Im Dezember desselben Jahres wurde Donáth zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er dreieinhalb Jahre in Einzelhaft verbrachte. Seine Frau wurde ohne Urteil drei Jahre lang in Haft genommen. 1954 kam er frei, das Urteil wurde aufgehoben und Donáth wieder die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei zugestanden. Dennoch war er faktisch in den folgenden zwei Jahre lediglich am Rande als Experte für Agrarfragen tätig. Erst nach der Entstalinisierung des XX. Parteitags der KPdSU kehrte er in die Politik zurück, fand Anschluss an Reformgruppen um Imre Nagy und beteiligte sich am Petőfi-Kreis (Petőfi Kör).

Nach der Vereidigung der neuen Reformregierung unter Imre Nagy schloss er sich im Oktober 1956 gemeinsam mit Géza Losonczy der Ungarischen Revolution an. Er sah die Notwendigkeit eines Mehrparteiensystems, betrachtete diese Frage jedoch nicht als Priorität. Das wichtigste Element der Demokratie waren für ihn die Arbeiterräte. Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen und der blutigen Niederschlagung der Ungarischen Revolution wurde Donáth am 23. November 1956 zusammen mit den anderen Mitgliedern der Regierung von Imre Nagy, die in der Botschaft Jugoslawiens Asyl beantragt hatten, nach Rumänien deportiert. 1958 wurde er als zweiter Angeklagter im Imre-Nagy-Prozess vom Obersten Gericht zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt – wegen seiner Teilnahme an einer Verschwörung, die „den Sturz der demokratischen Ordnung zum Ziel gehabt“ habe.

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Protestinschrift gegen die blutige Niederschlagung der Ungarischen Revolution 1956 an der Budapester Kettenbrücke: „Russen, geht nach Hause!“

1960 kam Donáth im Rahmen einer Amnestie frei, kehrte jedoch nicht mehr in die Politik zurück. Erst in den 70er Jahren schloss er sich den Protesten gegen die Inhaftierung der Charta 77-Aktivisten in der Tschechoslowakei an, er unterschrieb alle von der Opposition verfassten Aufrufe, Proteste und Petitionen. 1979 wurde er als Persönlichkeit, die sich einer großen Autorität erfreute, Leiter des Redaktionskomitees, das die Herausgabe der Bibó-Festschrift (Bibó Emlékkönyv) vorbereitete. Im Dezember 1981 war Donáth an einer illegalen Pressekonferenz beteiligt, die der Ungarischen Revolution von 1956 gewidmet war. 1982 nahm er an der ersten Demonstration teil, die von ungarischen Oppositionellen auf dem Budapester József-Bem-Platz organisiert wurde.

Er verfasste Beiträge für die Zeitschrift „Beszélő“ (Sprecher), half bei deren Vertrieb, unterstützte den Samisdat-Buchladen „Butik“ von László Rajk und stand ihm bei Hausdurchsuchungen helfend zur Seite. Im Jahre 1984 war er einer der geistigen Väter und Organisatoren des Treffens in Monor. Nicht lange nach diesem Treffen starb Ferenc Donáth in Budapest.

Fanny Havas
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 06/15