Historiker und Publizist; Teilnehmer an den Ereignissen im März 1968, einer der aktivsten Mitstreiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) und des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (KSS „KOR“); Dozent der Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse, Berater der Solidarność und Lech Wałęsas, einer der Architekten der Vereinbarungen vom Runden Tisch; seit 1989 Chefredakteur der „Gazeta Wyborcza“, 1989–91 Parlamentsabgeordneter für das Bürgerkomitee Solidarność; Pseudonyme: „Andrzej Jagodziński“, „Andrzej Zagozda“, „AZ“.

Um Michnik herum reaktivierte sich der nach dem März 1968 zerschlagene einstige „Kommandotrupp“ und machte auf sich aufmerksam. So wurde zum Beispiel der Mitschnitt eines Treffens zwischen dem Ersten Sekretär der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, Edward Gierek, und den streikenden Stettiner Werftarbeitern nach Paris geschleust und dort unter dem Titel „Die Stettiner Revolte und ihre Bedeutung“ (Rewolta szczecińska i jej znaczenie) veröffentlicht. Michnik beteiligte sich auch an Protestbriefen an die Staats- und Parteiführung. Für das Sammeln von Unterschriften für einen Appell zur Achtung der Rechte der polnischen Minderheit in der UdSSR wurde er mit einem Jahr Gefängnis bestraft. In der Exilpresse veröffentlichte er unter Pseudonym, unter anderem den Essay „Die Schatten der vergessenen Ahnen“ (Cienie zapomnianych przodków) über den Staatschef der Vorkriegszeit Józef Piłsudski. Als Andrei Sacharow im Oktober 1975 den Friedensnobelpreis erhielt, verfassten Adam Michnik, Seweryn Blumsztajn, Jacek Kuroń, Jan Lityński und Barbara Toruńczyk ein Glückwunschtelegramm, in dem sie schrieben: „Ihr unbeugsamer Kampf um die Menschenrechte ist für uns Ansporn und Vorbild. Ihre Haltung zur polnischen Sache lässt uns an die heilige Brüderschaft der Völker glauben.“

Michnik unterzeichnete am 5. Dezember 1975 den an den Sejm gerichteten Brief der 59, der gegen vorgesehene Verfassungsänderungen protestierte und eine Programmerklärung zu den Zielen der Opposition enthielt. 1976 veröffentlichte er sein bis dahin aufsehenerregendstes Buch „Die Kirche und die polnische Linke. Von der Konfrontation zum Dialog …“ (polnischer Titel: Kościół, lewica, dialog). Darin unterzog er die antikirchlichen Vorurteile der demokratischen Linken einer Revision und schlug katholischen Kreisen ein gemeinsames Vorgehen gegen die kommunistische Diktatur vor. Im August 1976 reiste er für acht Monate nach Westeuropa. Während seines dortigen Aufenthaltes warb er um politische Unterstützung für die polnische Opposition. Er publizierte Beiträge in der deutschen, italienischen und französischen Presse und traf sich unter anderen mit Rudi Dutschke, Bettino Craxi, Giancarlo Pajetta und Heinrich Böll. Er führte Gespräche mit den prominentesten Vertretern des polnischen politischen Exils, darunter mit Adam Ciołkosz, Jerzy Giedroyc, Jan Nowak-Jeziorański und Aleksander Smolar.

Wichtig für die Entwicklung der Opposition in Polen war sein Referat „Neuer Evolutionismus“ (Nowy ewolucjonizm), das er 1976 auf einer Pariser Tagung über den Oktober 1956 hielt. In seinen strategischen Überlegungen zur Opposition lehnte Michnik nicht nur Konspiration und Revolution ab, sondern auch den Versuch, um den Preis der Zusammenarbeit etwas von den Herrschenden zu erhalten. „Unrealistisch ist es zu glauben, das Regime in Polen stürzen zu können, ohne dass sich die politische Struktur der UdSSR ändert“, stellte er fest. Er sprach sich für einen evolutionären Weg der Systemumgestaltung und für einen unnachgiebigen Kampf um Reformen aus. Adressat des Oppositionsprogramms müsse die Gesellschaft sein, nicht die Staatsmacht. Seine Hoffnung ruhte dabei auf den Arbeitern, denen sich die Intelligenz anschließen müsse. Er hob auch die Rolle der Kirche und deren Einsatz für die Würde des Menschen und für die bürgerlichen Freiheiten hervor. In seinem Text vermied er radikale Forderungen nach staatlicher Unabhängigkeit. Die Angst vor einer sowjetischen Intervention sei sehr wohl begründet (sollte jedoch den Kampf nicht lähmen), die Veränderungen in Polen müssten sich daher zumindest in der ersten Phase im Rahmen der sogenannten Breschnew-Doktrin bewegen: „Die Mitstreiter der demokratischen Opposition sollten zunächst ihre eigenen, konkreten politischen Ziele formulieren und dann – gestützt auf diese Ziele – politische Kompromisse schließen.“

Jan Skórzyński
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 08/16