Geschichte der bulgarischen Opposition

Im Unterschied zu Ländern wie der Tschechoslowakei, Polen oder Ungarn zeigte sich im Bulgarien der 50er und 60er Jahre kein organisierter Widerstand gegen das dem Lande aufgezwungene kommunistische System. Es gab hier keine großen Arbeiterstreiks, keine großen Protestkundgebungen. Im Unterschied zur Sowjetunion entstanden in den 70er und 80er Jahren in Bulgarien auch kein Verbreitungssystem für unabhängige Informationen und kein Samisdat-Vertriebsnetz. Ebenso wenig gab es ein System zum Schutz von Personen, die von der repressiven politischen Staatsmacht verfolgt wurden. Dies sollte jedoch nicht dazu verleiten, Bulgarien ausschließlich als erstarrtes Land des realexistierenden Sozialismus zu betrachten, in dem es keine zivilgesellschaftliche Identität gab oder angesichts fehlender Freiheiten und einer weit verbreiteten Untertänigkeit der Bevölkerung eine alles umfassende Resignation das Bild bestimmte. (...)

Zur Oppositionsgeschichte

Erinnerungskultur in Bulgarien

Hier finden Sie demnächst Informationen über die heutige Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Bulgarien. Wir bitten um etwas Geduld.

Landeschronik Bulgarien

09.09.1944

Kommunistischer Staatsstreich (Umsturz vom 9. September 1944).

 

01.10.1956

Studentenproteste zur Unterstützung der Ungarischen Revolution (unter anderem im Kulturklub des Instituts für Wirtschaftswissenschaften in Sofia). Es kommt zu Massenverhaftungen von sogenannten Volksfeinden. Die Teilnehmer an den Protesten verbreiten das Gedicht „Zow za svoboda“ (Ruf nach Freiheit) des Dichters Jordan Ruskow aus Plowdiw.

 

04.12.1956

Nach einem kurzen politischen Tauwetter im Anschluss an das April-Plenum der Bulgarischen Kommunistischen Partei ändert das Parlament das Gesetz über die Volksmiliz, die nun erneut das Recht erhält, nicht nur „kriminelle Elemente“, sondern auch politische Gegner zu internieren und zu deportieren. Das Zwangsarbeitslager auf der Donau-Insel Belene wird wieder in Betrieb genommen. Allein bis Dezember 1957 werden dort – ohne Prozess und Urteil – mindestens 250 Menschen wegen angeblicher „konterrevolutionärer Tätigkeiten“ festgehalten, darunter viele aktive Politiker und Intellektuelle (beispielsweise Josif Petrow). 1958 sind 1.120 Personen im Lager Belene inhaftiert.