Schriftsteller, Dramatiker, Essayist. Nach 1989 Politiker, einer der wichtigsten Vertreter des radikalen nationalistischen Spektrums in Ungarn.

István Csurka 1934 wurde in Budapest in der Familie eines Literaten geboren. 1952–57 studierte er an der Fakultät für Dramaturgie der Film- und Theaterhochschule in Budapest. Während der Ungarischen Revolution von 1956 stand er an der Spitze einer sogenannten Nationalwacht an der Universität. Nach der Niederschlagung der Revolution wurde er ein halbes Jahr lang im Internierungslager Kistarcsa festgehalten und stand in der Folgezeit unter Polizeiaufsicht.

Seine erste Veröffentlichung datiert auf das Jahr 1954. 1956 erschien eine erste Anthologie seiner Texte mit dem Titel „Sprung durchs Feuer“ (Tűzugratás). Ab 1957 widmete er sich ganz dem schriftstellerischen Schaffen.

1972 wurde gegen ihn wegen systemkritischer und antisemitischer Äußerungen ein Publikationsverbot verhängt. 1976 gehörte er mit zu den Autoren der Bibó-Festschrift (Bibó Emlékönyv). In seinem Beitrag beschuldigte er die ungarische Intelligenz der Zusammenarbeit mit dem totalitären System. Wenige Tage nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen wurde er im Dezember 1981 auf einer von oppositionellem Aufbegehren geprägten Hauptversammlung des Ungarischen Schriftstellerverbandes zu dessen Vorsitzendem gewählt. 1983 wohnte er als Beobachter dem Prozess gegen Miklós Duray in Bratislava bei und unterzeichnete im Juni 1984 eine Protestresolution gegen die Verhaftung Miklós Durays.

Im Juni 1985 gehörte er zu den Organisatoren des Treffens in Monor. In seinem dort gehaltenen Referat bezeichnete er die ungarische Kultur als „Quasi-Kultur“, kritisierte die 1956 geschlossene Übereinkunft zwischen Gesellschaft und Staatsmacht und sprach von der Notwendigkeit, moralische Maßstäbe für die Opposition aufzustellen.

Auf einem Treffen der Opposition, das zeitgleich mit dem Europäischen Kulturforum in Budapest stattfand, kritisierte Csurka 1985 die allgemein praktizierte Anerkennung des in Osteuropa bestehenden politischen Status quo. 1986 verhinderte die Staatsmacht die Premiere seines Stückes „Prüfungen und Tadel“ (Vizsgák és fegyelmik). Wegen seiner Äußerungen zur Verteidigung der ungarischen Minderheit im Ausland erhielt er im August 1986 erneut Publikationsverbot. Im Oktober desselben Jahres lehnte er es ab, an den von der Opposition organisierten Gedenkfeierlichkeiten zum Jahrestag der Ungarischen Revolution von 1956 teilzunehmen.

Ab 1987 engagierte er sich im Zusammenhang mit dem von nationalen Gruppierungen geplanten zweiten Treffen in Monor, brach jedoch im Juni desselben Jahres seine Kontakte zu demokratischen Oppositionsgruppen ab. Er begründete das damit, dass die Untergrundzeitschrift „Beszélő“(Sprecher) das Dokument Gesellschaftsvertrag (Társadalmi Szerződés) veröffentlicht hatte, ohne dies zuvor mit den national orientierten Gruppierungen abzustimmen. Im Oktober 1987 war Csurka einer der Organisatoren des Treffens in Lakitelek, auf dem er den Eröffnungsvortrag hielt, der unter dem Motto „Die Chancen der Ungarn“ stand.

Auf der ersten Hauptversammlung des Ungarischen Demokratischen Forums (Magyar Demokrata Fórum; MDF) forderte er die Einführung einer parlamentarischen Demokratie in Ungarn. In den Jahren 1988/89 gehörte er zum Redaktionsstab der ersten legal erscheinenden unabhängigen Monatsschrift „Hitel“ (Glaube).

Im Juni 1988 war er einer der Organisatoren einer Protestdemonstration gegen die sogenannte Dorfsystematisierung im rumänischen Siebenbürgen, an der 100.000 Menschen teilnahmen. Er war auch Autor einer auf dem Budapester Heldenplatz gehaltenen Rede. Im September desselben Jahres wurde er Präsidiumsmitglied des Ungarischen Demokratischen Forums.

Von Oktober 1989 bis August 1990 war er Chefredakteur der Wochenzeitung „Magyar Fórum“, ab Januar 1991 Vorsitzender des Redaktionskomitees sowie Geschäftsführer des Unternehmens „Magyar Fórum“. Nach und nach löste Csurka die Wochenzeitung vom Einfluss des Ungarischen Demokratischen Forums, das die Zeitung besonders in deren Startphase kontrolliert und sie zu einem eigenen Propagandamedium gemacht hatte. Ab 1990 griff er in Radiobeiträgen für den Ungarischen Rundfunk offen die Ansichten der liberal eingestellten Teile der ungarischen Intelligenz an, die ihre politische Heimat im Bund Freier Demokraten (Szabad Demokraták Szövetsége; SZDSZ) sahen. Seine eigene Partei, das Ungarische Demokratische Forum, tolerierte in diesem Zusammenhang die mal offen, mal eher versteckt artikulierten antisemitischen Ansichten Csurkas.

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Feierlichkeiten zur Umbettung von Ministerpräsident Imre Nagy und 55 weiteren bei der Niederschlagung der Ungarischen Revolution von 1956 Getöteten. Budapest, Heldenplatz, 16. Juni 1989

In den ersten freien Wahlen wurde Csurka ins Parlament gewählt. 1991 wurde er zum Vize-Parteivorsitzenden des Ungarischen Demokratischen Forums gewählt, womit sein Einfluss auf den politischen Kurs der Partei weiter wuchs. 1993 gründete Csurka den Arbeitskreis Ungarischer Weg – mit dem Ziel, im Ungarischen Demokratischen Forum die Macht zu übernehmen und den Rücktritt des Parteivorsitzenden József Antall zu erreichen. Unmittelbarer Anlass war die Unterzeichnung einer Vereinbarung mit der Ukraine durch die ungarischen Regierung, in der diese auf territoriale Ansprüche gegen die Ukraine verzichtete (es ging um die Karpaten-Ukraine, die Ungarn aufgrund des Friedensvertrags von Trianon 1920 abtreten musste). Im Endeffekt wurde Csurka aus Partei und Parlamentsfraktion ausgeschlossen.

Im Jahre 1993 gründete er die radikal nationalkonservative Ungarische Wahrheits- und Lebenspartei (Magyar Igazság és Élet Pártja; MIÉP), die bei den ein Jahr später stattfindenden Parlamentswahlen an der 5-Prozent-Hürde scheiterte. Erst 1998 gelang es der rechtsradikalen Partei, die Csurka bis an sein Lebensende anführte, sechs Prozent der Wählerstimmen auf sich zu vereinen und Abgeordnete im Parlament zu stellen. Csurka selbst wurde Fraktionschef und hatte diese Funktion bis 2002 inne. Bei späteren Wahlen scheiterten die Rechtsradikalen erneut an der Sperrklausel.

Als Csurka im Oktober 2011 zum Intendanten des vordem liberalen Neuen Theaters (Új Színház) in Budapest ernannt wurde, löste dies wegen seiner rechtsextremen Einstellung und antisemitischen Äußerungen ungarnweit und international eine Protestwelle in Kultur und Politik aus. Vier Monate später starb István Csurka am 4. Februar 2012 an einer schweren Krankheit in Budapest.

Péter Hermann
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 05/16