BIOGRAFISCHES LEXIKON
WIDERSTAND UND OPPOSITION IM KOMMUNISMUS
1945–91

In allen Phasen der kommunistischen Herrschaft und in allen Ländern des kommunistischen Weltsystems stellten sich zahllose Männer und Frauen mutig den Zumutungen der Herrschenden entgegen. In den unterschiedlichsten Kontexten setzten sie sich für die staatliche Unabhängigkeit ihrer jeweiligen Heimat unter demokratischen Vorzeichen ein, forderten freie Wahlen sowie Versammlungs-, Rede- und Meinungsfreiheit, übten Solidarität mit den Unterdrückten und Verfolgten, kämpften für ihre Rechte als Arbeiter und Gläubige, als Wissenschaftler und Angehörige nationaler Minderheiten, als Künstler und mündige Bürger. Sie verteilten Flugblätter, schrieben Losungen auf Hauswände, riefen zu Demonstrationen und Streiks auf, überschütteten die Herrschenden mit Petitionen und Eingaben, organisierten Mahnwachen, Streiks und Andachten oder entschieden sich allen staatlichen Zumutungen zum Trotz, „in der Wahrheit zu leben“. Einige taten dies allein und heimlich, andere zusammen mit Freunden, Kollegen oder Glaubensbrüdern, wieder andere im Rahmen von Bürgerrechtsbewegungen, Friedensgruppen oder Künstlergemeinschaften, in einigen Ländern wie beispielsweise Polen auch gemeinsam mit Millionen anderen in freien Verbänden und Gewerkschaften. Eine Auswahl von Biografien dieser mutigen Männer und Frauen stellen wir Ihnen auf dieser Webseite vor.

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Die Biografien

Struktur, Umfang und Erfolg der Formen von Opposition und Widerstand gegen die kommunistischen Diktaturen hingen von den Bedingungen in den einzelnen Ländern ab, vom Ausmaß der Repression und von der Solidarität unter den Beherrschten. Jedes Land des ehemaligen kommunistischen Machtbereichs verfügt über seine eigene Geschichte von Opposition und Widerstand, die von zahllosen individuellen Persönlichkeiten gestaltet wurde. So unterschiedlich die Biografien der Dissidenten, Bürgerrechtler, Friedensaktivisten und Oppositionellen waren, so wenig Aussicht auf Erfolg ihr Tun über viele Jahre hinweg auch hatte – ihnen allen verdanken wir, dass der östliche Teil Europas die kommunistischen Diktaturen schließlich überwinden konnte. Die Dissidentenbiografien auf dieser Webseite können nur eine kleine Auswahl sein, die Ihnen zumindest einen Einblick in die vielfältigen Facetten oppositionellen Handelns im östlichen Europa zwischen 1945 und 1989–91 geben. Die Seite kann nicht den Anspruch erheben, die osteuropäische Dissidenz in ihrer Gänze darzustellen. Die Texte basieren auf dem 2007 von der Warschauer Stiftung „Karta“ in Polen herausgegebenen „Dissidentenlexikon“ (Słownik dysydentów); die Texte über die DDR wurden freundlicherweise von der Berliner Robert-Havemann-Gesellschaft zur Verfügung gestellt und entstammen dem Nachschlagewerk „Für ein freies Land mit freien Menschen“ (herausgegeben 2006 von Ilko-Sascha Kowalczuk und Tom Sello). Wir danken beiden Kooperationspartnern sehr herzlich. Wenn wir auf dieser Seite nicht durchgängig geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen verwenden, so tun wir dies aus Gründen der Verständlichkeit und Barrierefreiheit. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es uns fernliegt, damit einzelne Personengruppen auszuschließen. Das „Biografische Lexikon Widerstand und Opposition im Kommunismus 1945–91“ ist in seiner jetzigen Form lediglich ein erster Anfang und wird laufend um weitere Länder und Biografien erweitert. Wir bitten daher um etwas Geduld, sollten Sie feststellen, dass wichtige Persönlichkeiten fehlen.

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Streik in der Danziger Lenin-Werft: Szene an Tor 2 des Werftgeländes während der für die Streikenden organisierten Heiligen Messe im August 1980.


Gesamtchronik

Slowakischer Nationalaufstand in Banská Bystrica. Dieser ist eine gemeinsame Erhebung einzelner slowakischer Widerstandsgruppen und von Teilen der slowakischen Armee gegen die beginnende Besatzung durch die deutsche Wehrmacht. Der Slowakische Nationalrat übernimmt die Regierungsgewalt über die Aufstandsgebiete und ruft die Tschechoslowakische Republik aus. Gleichzeitig verkündet er den Beitritt zur Anti-Hitler-Koalition und damit den Austritt der Slowakei als Satellitenstaat aus dem Bündnis mit dem Dritten Reich. Parallel zum Nationalrat werden Regierungsbevollmächtigte ernannt, die quasi-ministerielle Funktionen in dieser Zeit übertragen bekommen. Die Ämter des Nationalrates und der Regierungsbevollmächtigten werden paritätisch zwischen Vertretern der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS) und dem bürgerlichen Block, also der nichtkommunistischen, demokratischen Widerstandsbewegung, aus welcher später die Demokratische Partei hervorgeht, aufgeteilt.

Zwangsvereinigung der Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS) mit den Slowakischen Sozialdemokraten auf einem Kongress in Banská Bystrica. Am Kongress nehmen Vertreter der sozialdemokratischen Widerstandsgruppen aus dem Aufstandsgebiet teil. Ein Teil der Sozialdemokraten ist jedoch gegen den Zusammenschluss mit der Kommunistischen Partei und gründet noch vor den Wahlen 1946 die Arbeiterpartei.

Einheiten der Roten Armee und die im Ausland gebildete 1. Tschechoslowakische Armee überschreiten nach der Schlacht am Duklapass die Grenze zur Slowakei und durchbrechen so die deutsche Verteidigungslinie in den Ostkarpaten.

Die deutsche Wehrmacht nimmt Banská Bystrica ein. Gemeinsam mit der paramilitärischen Hlinka-Garde in der Slowakei führen die Deutschen im besetzten Gebiet ein brutales Terrorregime ein. Die (tschecho-)slowakischen Partisanen- und Armeeeinheiten ziehen sich in die Berge der Karpaten zurück, von wo aus sie den bewaffneten Kampf mit den deutschen und deren verbündeten Truppen bis zur Ankunft der Roten Armee weiterführen.

In Košice wird die erste Einheitsregierung der Nationalen Front von Tschechen und Slowaken ausgerufen, in dem die Kommunisten sechs Minister stellen. Einen Tag später erlässt die Regierung das vom linken politischen Lager entworfene „Kaschauer Programm“ (Košický vládny program), welches von einer außenpolitischen Anbindung an die Sowjetunion spricht.