Geschichte der Opposition in der DDR

Die Geschichte autoritärer oder totalitärer Regimes ist auch eine Geschichte von Opposition und Widerstand. Ein Staat mit totalitärem Anspruch provoziert und produziert entgegen seinen eigenen Intentionen unentwegt verschiedenste Formen widerständigen Verhaltens. Die dem System von der Mehrheit der Bevölkerung gleichzeitig jahrzehntelang entgegengebrachte Loyalität ist kein Indikator dafür, wie die Bevölkerung tatsächlich empfindet. Die SED-Führung schaffte es gerade noch, wie der englische Historiker Timothy Garton Ash Ende der 80er Jahre in der DDR beobachtete, die Körper der Menschen zu mobilisieren, aber nicht deren Herzen und Gedanken. Allerdings hat sich immer nur eine Minderheit aktiv und öffentlich gegen die Anmaßungen des „Maßnahmestaates“ gewehrt und versucht, diesen zu bekämpfen und die von den Herrschenden bewusst stillgelegte Gesellschaft zu mobilisieren.

Von der Errichtung der kommunistischen Diktatur nach 1945 bis zur Revolution gegen die Diktatur im Herbst 1989 dauerte es über 40 Jahre. Welthistorisch war dies nur ein Wimpernschlag, für die Betroffenen jedoch Schicksal. Niemand wird als Held geboren und schon gar nicht, um zeitlebens im Widerstand gegen übermächtige Staaten zu opponieren. Es gibt auch keine Lehrbücher, die Widerstand und Opposition lehren. Nur das Leben und seine Wechselfälle sowie das ethische Fundament, auf dem jemand steht, sind die Lehrmeister. Das Beispiel des Nationalsozialismus zeigt dies anschaulich.

Der größte Teil der deutschen Gesellschaft war in die Hitler-Diktatur verwickelt. Und es zählte zu einer folgenschweren Erblast der deutschen Geschichte, dass sich bis 1933 nur wenige demokratische Knospen und Blüten in der Gesellschaft entwickeln konnten, die von den Nationalsozialisten problemlos entwurzelt wurden. Der preußische Staat mit seinem auf die Obrigkeit und deren Repräsentanten ausgerichteten Denken hatte verhindert, dass sich in Deutschland bis 1933 eine wirkungsmächtige Tradition breit entwickelte, die die Ideen von 1789 und 1848 fortgeführt hätte. Als Hitler 1933 die Macht übernahm, war die deutsche Gesellschaft nicht nur nicht geschockt, sondern begrüßte mehrheitlich das totalitäre Staatswesen und unterstütze es nachhaltig. Bis zum Ende des Krieges 1945 basierte die Hitler-Diktatur auf der Unterstützung, Zustimmung, Loyalität oder wenigstens missmutigen Hinnahme des überwältigenden Teils der Bevölkerung. Erst als der Krieg ab 1941/42 mit Luftangriffen zunehmend auch Deutschland selbst betraf und zerstörte, begannen sich immer mehr Menschen still vom Regime abzuwenden. Aber zu offener Opposition, zum nachhaltigen Widerstand gegen das System bekannte sich immer nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung.

In den ersten Jahren der Diktatur, 1933–36, waren es vor allem die beiden verbotenen Arbeiterparteien SPD und KPD, die gegen die nationalsozialistische Diktatur Widerstand entfalteten. Sie mussten dafür einen hohen Blutzoll entrichten. Hinzu kam, dass viele Tausend Gegner des Systems das Land verlassen mussten, wollten sie ihr Leben schützen. Zwar wurde dem Regime auch aus der Kirche Widerstand entgegengesetzt, aber der verstand sich nur in einem kleinen Teil als politischer Widerstand. Zunächst ging es vor allem darum, die kirchliche Autonomie zu bewahren und den Staat an der Okkupation der beiden Kirchen zu behindern. Hinzu kam, dass sich Teile der Kirchen gegen die Judenverfolgung wandten. In der zweiten Phase der Diktatur, 1936–41, verringerte sich der politische Widerstand, da zum einen die KPD und SPD sowohl durch Verhaftungen als auch durch Emigration erhebliche Verluste zu beklagen hatten und zum anderen das Regime sich einer breiten Welle der Zustimmung sicher sein konnte, was durch die Kriegserfolge bis 1941 noch verstärkt wurde.

Zur Oppositionsgeschichte

Erinnerungskultur in Deutschland

Hier finden Sie demnächst Informationen über die heutige Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Russland. Wir bitten um etwas Geduld.

Landeschronik Deutschland (DDR)

 
07.10.1949

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.

 
09.07.1952

Die SED beschließt auf ihrer II. Parteikonferenz den „planmäßigen Aufbau der Grundlagen des Sozialismus“. Das hat eine verstärkte Militarisierung der Gesellschaft, politische Repressionen sowie einen Kampf gegen die Kirche und das „Kleinbürgertum“ zur Folge. Beschlossen wird auch die Kollektivierung der Landwirtschaft.

 
23.07.1952

Das sogenannte „Demokratisierungsgesetz“ wird beschlossen, das jedoch entgegen seinem Namen zu einer Zentralisierung des Staates führt.