Dichter, Journalist und Publizist. Herausgeber der Samisdatzeitschriften „Kontakt“ und „Fragment K“. Pseudonyme: Jakub Sojka, Pavol Országh.

Oleg Pastier wurde 1952 im südslowakischen Tekovská Nová Ves (heute Nová Dedina) geboren. Nach seinem Abitur 1970 arbeitete er als Heizer. Pastier war Mitglied einer Pressburger Gruppe von Undergroundkünstlern, die jede staatliche Kontrolle der Kultur ablehnten. 1980 gab er mit anderen die politisch unabhängige Zeitschrift „Kontakt“ heraus und war Teil ihres ersten Redaktionsteams. Die Idee zur Herausgabe der Zeitschrift entstand während der Treffen mit Unterzeichnern der Charta 77 und Prager Undergroundkünstlern. Pastier veröffentlichte in „Kontakt“ vor allem seine Gedichte. In der ersten Ausgabe 1981 erschienen dort sein Prosawerk „K. B. Z.“ und Gedichte aus dem Band „Der Schatten Schamraj“ (Tieň Chamraj). In der zweiten Ausgabe veröffentlichte er den Band „Kontakt 2“, in dem er die Diskrepanz zwischen Kunst und Wirklichkeit einer moralisch verwahrlosten Gesellschaft beschrieb.

Ende 1986 gab er die Zeitschrift „Fragment“ mit heraus, die sich Anfang 1988 mit der Zeitschrift „K“ zusammenschloss. Die neue Publikation hieß fortan „Fragment K“. In deren zweiter Ausgabe erschienen Gedichte aus Pastiers Band „Dumpfe Stille“ (Duté ticho), die später auch in einem Buchband von „Fragment“ veröffentlicht wurden. Anfang 1989 verschärften sich die Übergriffe der Staatssicherheit auf die Redaktion der Zeitschrift. Pastier wurde verhaftet, die übrigen Redaktionsmitglieder Jiří Olič, Ivan Hoffman und #Martin M. Šimečka verhört.

Vor 1989 erschienen von Pastier im Samisdat die Gedichtbände „Der Schatten Schamraj“ (Tieň Chamraj), „Spinnennetz“ (Pavúčie hniezda; 1982) und „Dumpfe Stille“ (Duté ticho; 1987). Nach 1990 veröffentlichte er neben dem Gedichtband „Zaun“ (Plot; 1992) auch die Bände „Auge um Zahn“ (Oko za zub; 1995) und „Man darf“ (Možno; 1998). Seine Gedichte hatte er zuvor bereits im Samisdat publiziert. Zudem war er Herausgeber des zweiten Bandes des „Forums für literarische Kritik“ (Fórum literárnej kritiky; 1994).

Seit dem Ende des Kommunismus widmet sich Oleg Pastier der schriftstellerischen und verlegerischen Tätigkeiten als Chefredakteur der Zeitschrift „Fragment“ und des Verlages F. R. & G., der sich vor allem der ostmitteleuropäischen Literatur widmet. Eine gewisse Zeit war er auch stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitschrift „Kultúrny život“ (Kulturelles Leben) und Chefredakteur der tschechisch-slowakischen Wochenzeitschrift „Mosty“ (Brücken). 2012 war er Träger des Dominik-Tatarka-Preises, der nach #Dominik Tatarka benannten bedeutendsten Literaturauszeichnung der Slowakei.

Juraj Marušiak
Aus dem Polnischen von Jonas Grygier
Letzte Aktualisierung: 08/15