Bürgerrechtler und Gründungsmitglied des Komitees zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte.

Miklós Duray wurde 1945 in Lučenec (Ungarisch Losonc) als Mitglied der ungarischen Minderheit in der Slowakei geboren. 1978 schloss er ein Geologiestudium an der Comenius-Universität in Bratislava (Pressburg) ab. Ab 1966 engagierte er sich im Kulturverein der ungarischen Minderheit in der Slowakei (CSEMADOK). Mit Alexandr Varga gründete er zusammen den Attila-József-Jugendklub in Bratislava, dessen Vorsitzender er 1965–69 war. Ab 1965 sprach er jedes Jahr anlässlich der Revolution von 1848 bei der Versammlung der ungarischstämmigen Pressburger vor dem Sándor-Petőfi-Denkmal. Ab 1966 war er Mitglied im Zentralkomitee des CSEMADOK und zwischen 1968 und 1969 Vorstandsmitglied. Nach 1969 wurde er aus politischen Gründen seines Amtes enthoben und aus der Organisation ausgeschlossen.

Anlässlich der Entscheidung, in Schulen der ungarischen Minderheit im Süden der Slowakei in einigen Fächern zweisprachigen Unterricht einzuführen, organisierte Duray 1978 in den betreffenden Gegenden Proteste der ungarischen Intelligenz. Eine solche Schulreform hätte bedeutet, dass die davon betroffenen Fächer auf Slowakisch und nicht mehr auf Ungarisch unterrichtet worden wären. Als Zeichen des Protestes gegen die im Parlament diskutierten Gesetzesänderungen entstand Ende März 1978 das Komitee zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte. Dieses setzte sich unter anderem dafür ein, die Gesetzesarbeit an der Reorganisation des Schulwesens einzustellen. Die in diesem Zusammenhang erstellten Materialien des Komitees wurden an die Charta 77 übergeben, was ihnen zu größerer Bekanntheit sowohl im In- als auch im Ausland verhalf.

Im Mai 1979 knüpfte er über Ivan Havel, dem Bruder von Václav, Kontakt zu Bürgerrechtlern der Charta 77, deren Petition er 1983 unterzeichnete. Später verbanden ihn freundschaftliche Beziehungen mit #Václav Benda.

1979 schrieb er das Buch „In der Zange“ (Kutyaszorító), in dem er die Beziehungen der Nationalitäten untereinander in der Südslowakei der 50er und 60er Jahre beschrieb. Das Buch löste eine starke Kontroverse aus. In einem Teil wird beschrieben, welche Abneigung der Protagonist gegen das Erlernen der slowakischen Sprache hat und wie sich dessen Eltern 1938 über die ungarische Annexion der Südslowakei freuen. Die Übersetzung ins Slowakische erschien auf Druck der Staatssicherheit unter dem Titel „Hundehalsband“ (Psí obojok). Nach 1989 wurden Teile des Buches von national orientierten Medien wiederabgedruckt.

Die Veröffentlichung seines Buches „In der Zange“ im Ausland und seine Beteiligung an der Organisation der Proteste gegen die Schulreformen führten zu seiner Verhaftung. Er wurde angeklagt, zum Schaden des Staates gehandelt zu haben. Der Gerichtsprozess begann am 31. Januar 1983, ein Urteil wurde aber nicht gesprochen. Duray kam am 22. Februar 1983 auf Bewährung frei.

Durays Aktivitäten führten auch dazu, dass die Gespräche zwischen dem Weltkongress der Exilslowaken und dem Europäischen Kongress der Freien Ungarn über eine gemeinsame Verständigung und Zusammenarbeit abgebrochen wurden. Die Vertreter der ungarischen Minderheit standen hierbei auf der Seite Durays.

Ende 1983 griffen die tschechoslowakische Parteiführung und Regierung die Pläne einer Reorganisation der Minderheitenschulen wieder auf. Obwohl sich die Regierung am Ende von diesen Plänen distanzierte, wurde Duray am 10. Mai 1984 in Bratislava verhaftet und acht seiner Mitstreiter verhört. Neben ihm wurden Katarína Szarka, Csilla Petőcz und Mária Bodnár wegen sogenannten „staatsschädigenden Verhaltens“ angeklagt. Viele tschechische und slowakische Bürgerrechtler verfassten Protestbriefe, um Duray zu verteidigen wie etwa #Ján Čarnogursky, #Miroslav Kusý, Jozef Jablonický, #Milan Šimecka. In diesen Schreiben protestierten sie gegen das Vorgehen der Regierung, Verhaftungen aufgrund öffentlicher Äußerung von Kritik vorzunehmen, obwohl sie Durays Ansichten zur Situation der ungarischen Minderheit in der Slowakei nicht teilten. Eine ähnliche Haltung vertraten auch die Vertreter der Exilslowaken. Durch eine von Präsident Husák erlassene Amnestie wurde Duray am 11. Mai 1985 aus der Haft entlassen.

Die Bürgerrechtler der Charta 77 gaben gemeinsam mit dem Komitee zur Verteidigung der ungarischen Minderheitenrechte in der Tschechoslowakei eine Erklärung heraus, in der sie auf den international festgeschriebenen Minderheitenschutz hinwiesen. Anlass zu diesem Text gab eine Reihe von Angriffen von Unbekannten auf Einrichtungen der ungarischen Minderheit in Bratislava. Von den slowakischen Bürgerrechtlern unterzeichneten unter anderen Duray und #Miroslav Kusý diese Erklärung. Ján Čarnogurský unterstützte diese Initiative nicht.

Zusammen mit #Miroslav Kusý, #Ján Čarnogurský und anderen verfasste Duray auch eine Untersuchung zum Stand der slowakisch-ungarischen Beziehungen und zur Situation der ungarischen Minderheit in der Slowakei. Eine gemeinsame Veröffentlichung dieser Studie in den Vereinigten Staaten war vorgesehen, doch konnten sich die Autoren nicht auf einen gemeinsamen Standpunkt einigen. Sie veröffentlichten ihre Arbeit daraufhin getrennt.

1988–89 studierte Duray an der Indiana University in den Vereinigten Staaten. Nachdem er 1990 nach der Samtenen Revolution zurück in die Slowakei gekommen war, gründete er die politische Bewegung „Spolužitie“ (Zusammenleben) und wurde ihr Vorsitzender. Die Bewegung sollte ein Auffangbecken für alle nationalen Minderheiten in der Slowakei sein, sie entwickelte sich aber zu einer politischen Organisation der ungarischen Minderheit.

1990–2010 war er Abgeordneter im Parlament – erst im tschechoslowakischen, dann im slowakischen Nationalrat: ab 1990 für „Spolužitie“, dann ab 1998 für die Partei der Ungarischen Gemeinde, dessen stellvertretender Vorsitzender er seit 1999 ist.

Miklós Duray ist ebenfalls literarisch tätig. 1983 gab er eine Sammlung von Novellen mit dem Titel „Gestern gaben sie uns verrückte Pilze zum Essen“ (Tegnap alighanem bolondgombát etettek velünk) und 1994 eine Märchensammlung für Kinder heraus.

Juraj Marušiak
Aus dem Polnischen von Jonas Grygier
Letzte Aktualisierung: 08/15