Literaturkritiker und Literaturhistoriker (Schwerpunkt: Leben und Werk des Schriftstellers Joseph Conrad-Korzenowski), Publizist, Politiker; 1976 Gründer der Polnischen Unabhängigkeitsallianz, 1982–87 Direktor des polnischen Programms von Radio Freies Europa, 1990–92 Vorsitzender des Bürgerkomitees beim Vorsitzenden der Solidarność; Pseudonyme: „Exul“, „Bogusław Grodzicki“, „Marian Kowalski“, „Bronisław Lasocki“, „Socjusz“.

Zusammen mit Andrzej Kijowski, Jan Olszewski und Jan Józef Szczepański bildete Najder die konspirative Leitung der Polnischen Unabhängigkeitsallianz, die deren Texte redigierte und drucken ließ. Von Mai 1976 bis Ende 1981 erschienen 50 Veröffentlichungen der Gruppe, anfangs als maschinengeschriebene Durchschläge, dann als Fotokopien und später als Abzüge einer Kopiermaschine. Gekennzeichnet waren sie meist im Namen einer Arbeitsgruppe oder mit Pseudonym. Mitglieder der Polnischen Unabhängigkeitsallianz waren Władysław Bartoszewski, Alexander Gieysztor, Józefa Hennelowa, Jerzy Holzer, Marcin Król, Wiktor Kulerski, Stanisław Lem, Jan Józef Lipski, Tadeusz Mazowiecki, Stanisław Szczuka, Wojciech Roszkowski, Andrzej Szczypiorski, Witold Trzeciakowski, Roman Zimand und andere. Najder schrieb hauptsächlich über historische Themen, Innen- und Gesellschaftspolitik und über die künftige polnische Außenpolitik. Er verfasste ebenso zahlreiche Erklärungen der Polnischen Unabhängigkeitsallianz.

Seitdem 1977 sein Brief an den Bevollmächtigten der Polnischen Unabhängigkeitsallianz im Ausland, Jerzy Lerski, abgefangen worden war, wurde Najder von der Staatsicherheit verfolgt und bedroht (die Reifen seines Autos wurden zerstochen; seine Wohnung wurde beobachtet und verwanzt; in sein Haus auf dem Land wurde eingebrochen).

Im November 1981 reiste Najder nach England, um die englische Ausgabe seiner Biografie des Schriftstellers Joseph Conrad-Korzenowski vorzubereiten. Als ihn die Nachricht von der Verhängung des Kriegsrechts in Polen und von einem am 14. Dezember 1981 gegen die Polnische Unabhängigkeitsallianz eröffneten Gerichtsprozess erreichte, und ihn das britische Außenministerium darüber informierte, dass die polnischen Behörden nach ihm fahnden, entschied er sich, in Großbritannien zu bleiben. Im Januar 1982 erhielt er politisches Asyl. Fortan arbeitete er eng mit der Pariser „Kultura“ zusammen.

Im April 1982 wurde Najder Direktor des polnischen Programms von Radio Freies Europa. Daraufhin wurde er im Mai 1983 in Polen wegen Spionage angeklagt, durch das Militärgericht in Warschau in Abwesenheit zum Tode verurteilt, sein Vermögen wurde beschlagnahmt und anschließend wurde ihm die polnische Staatsbürgerschaft aberkannt.

Nach fünf Jahren bei Radio Freies Europa in München zog Najder nach Frankreich. Dort schrieb er für die polnischen Exilzeitungen „Spotkania“ (Begegnungen), „Arka“ (Arche) und in Paris für „Kontakt“ (1986–91), dessen Redaktionsmitglied er 1987–91 war. Im Sommer 1988 nahm er noch einmal eine Arbeit für Radio Freies Europa als Kommentator an.

Als Berater des Brüsseler Koordinierungsbüros der Solidarność, der er seit 1982 war, begleitete er Lech Wałęsa während dessen Reise nach Paris im Dezember 1988 und in die Bundesrepublik im Herbst 1990.

Das über Najder verhängte Todesurteil wurde 1989 aufgehoben. Im Juli 1990 zog er nach Polen zurück, wo er 1990–92 das Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) leitete. 1992 wurde er Vorsitzender einer Beratergruppe von Ministerpräsident Jan Olszewski. 1991–93 führte er den von ihm gegründeten Atlantischen Klub (Klub Atlantycki), ab 1994 dann die Polnische Joseph-Conrad-Gesellschaft. 1997–2003 hatte er eine Professur am Institut für Englische Philologie der Oppelner Universität. 1998–2001 war er Berater des Vorsitzenden des Komitees für europäische Integration (Komitet Integracji Europejskiej). 2003 wurde Zdzisław Najder emeritiert, hielt jedoch noch Vorlesungen an der Europäischen Hochschule „Józef Tischner“ in Krakau und war 2009–13 Mitglied im Beirat des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig.

Joanna Rutkowska
Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin
Letzte Aktualisierung: 11/15