Politischer Publizist, langjähriger Feuilletonist und Redakteur des „Tygodnik Powszechny“; Schriftsteller; Musiker, Musikkritiker, Komponist; 1957–65 Sejm-Abgeordneter für die Bewegung „Znak“; nach 1976 einer der populärsten Autoren des Samisdat; Pseudonyme: „Julia Hołyńska“, „Kisiel“, „SK“, „Teodor Klon“, „Tomasz Staliński“.

Als in Polen am 13. Dezember 1981 das Kriegsrecht ausgerufen wurde, befand sich Kisielewski in Australien. Anfang 1982 schrieb er in Paris den Artikel „Schlagen oder reden“ (Bić się czy rozmawiać), der sich eines Mottos von Henryk Sienkiewicz bediente: „Wehe den Völkern, die die Freiheit mehr lieben als das Vaterland!“ Kisielewski griff seine Idee aus den 70er Jahren auf und schlug vor, man solle sich über die Köpfe der kommunistischen Machthaber hinweg direkt mit den Russen verständigen. Jerzy Giedroyc lehnte die Veröffentlichung dieses Textes in der „Kultura“ jedoch ab; er erschien erst 1983 in „Zeszyty Literackie“ (Literarische Hefte).

Nach seiner Rückkehr nach Polen im Juli 1982 wollte Kisielewski keine Feuilletons mehr schreiben. Sein Schweigen brach er im November 1983, als er im „Tygodnik Powszechny“ den Artikel „Befreit uns der Herrgott?“ (Czy Pan Bóg nas wyzwoli?) veröffentlichte, in dem er die vorherrschende patriotische Religiosität kritisierte: „Bei Gott werden wir nach dem Tode sein, hier und heute müssen wir jedoch unsere irdischen Probleme lösen und uns dabei von der Rationalität und dem gesunden Menschenverstand leiten lassen. [...] Das wird uns Gott nicht abnehmen, es hilft, weder Kreuze aufzustellen, noch in den Kirchen Bittgesänge anzustimmen.“

Kisielewski betrachtete als Anhänger von Privateigentum und freiem Markt die Durchführung von marktwirtschaftlichen Reformen als entscheidend. 1984 schrieb er in der „Einführung in das Oppositionsprogramm“ (Wstęp do programu opozycji) über die Notwendigkeit, eine neue Opposition zu schaffen, die frei von antirussischen Phobien und der Arbeiterphraseologie ist und sich der Liberalisierung von Staat und Wirtschaft zuwenden müsse. Im November 1987 unterschrieb er eine von Janusz Korwiń-Mikke initiierte Erklärung der konservativ-liberalen Bewegung für Realpolitik (Ruch Polityki Realnej).

Stefan Kisielewski starb 1991 in Warschau. Seit 1990 trägt ein Journalistenpreis, der von der Wochenzeitung „Wprost“ für herausragenden Journalismus verliehen wird, seinen Namen.

Zbigniew Romek
Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin
Letzte Aktualisierung: 11/15