Philosoph, Ideenhistoriker, politischer Publizist, Professor der Universität Warschau; Teilnehmer des März 1968, ab 1979 Chefredakteur der Zeitschrift „Res Publica“.

Gemeinsam mit Wojciech Karpiński schrieb er das Buch „Von Mochnacki zu Piłsudski. Politische Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts“ (Od Mochnackiego do Piłsudskiego. Sylwetki polityczne XIX. w.; 1974), das zu einer der wichtigsten Lektüren junger Oppositioneller in der zweiten Hälfte der 70er Jahre wurde.

1977/78 war Kisielewski Dozent an den Universitäten Yale und Austin in den USA. 1979 veröffentlichte er in Paris das Buch „Stilformen politischen Denkens. Im Umfeld von ‚Bunt Młodych‘ und ‚Politika‘“ (Style politycznego myślenia. Wokół „Buntu Młodych“ i „Polityki“), in dem er die Ideenwelt der Vorkriegszeitschriften analysierte, deren Redakteur Jerzy Giedroyc war. In Polen erschien das Buch 1980 im Unabhängigen Verlagshaus NOWA (Niezależna Oficyna Wydawnicza NOWA).

Król nahm an inoffiziellen Seminaren teil, die ab 1976 bei Jerzy Jedlicki stattfanden. Bei diesen Treffen entstand die Idee, eine vierteljährlich erscheinende politologische Zeitschrift herauszugeben, die den polnischen intellektuellen Eliten aktuelle Trends des politischen Denkens des Westens näherbringen sollte. Król wurde Leiter der Redaktion der zu diesem Zweck gegründeten „Res Publica“, der außerdem Wiktor Dłuski, Damian Kalbarczyk, Wojciech Karpiński, Paweł Kłoczowski, Tomasz Łubieński, Paweł Śpiewak und Barbara Toruńczyk angehörten. Die Erstausgabe der „Res Publica“ erschien im Frühjahr 1979 (heute heißt die Zeitschrift „Res Publica Nowa“). Der Anspruch der Zeitschrift bestand in der Analyse der Wirklichkeit sowie der „unterschiedlichen Möglichkeiten, die sich sogar in unserer geopolitischen Situation ergeben“. (Der bekannteste Autor von „Res Publica“, Stefan Kisielewski, vertrat unter anderem die Forderung, die polnische Opposition solle sich mit der sowjetischen Führung über die Köpfe der polnischen Kommunisten hinweg direkt verständigen.) Die Texte der „Res Publica“ waren von der Überzeugung geleitet, dass die Rechte und Freiheiten des Individuums im Mittelpunkt stehen. Sie pflegten einen liberal-konservativen Stil und waren Utopien und jeglichem Extremismus gegenüber misstrauisch. Patriotische Parolen und die Verwendung von Symbolen der polnischen Unabhängigkeit durch die Opposition wurde von „Res Publica“ als Anheizen „dummer Emotionen“ verurteilt.

1980 wurde Król Berater der Gewerkschaft Solidarność der Region Masowien. Im Herbst 1981 wandte er sich an die Behörden, um die legale Herausgabe der „Res Publika“ zu erreichen. Trotz mündlicher Zusagen fiel bis zur Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 keine Entscheidung. (Insgesamt erschienen acht Ausgaben im Samisdat; eine neunte war vorbereitet, aber das Kriegsrecht verhinderte ihre Auslieferung.)

Nach dem 13. Dezember 1981 publizierte Król zahlreiche analytische und programmatische Texte, unter anderem im „Tygodnik Powszechny“, in der „Krytyka“ und den Broschüren der „Gruppe politischer Publizisten“ (Grupa Publicystów Politycznych). 1982 trat er in die Redaktion des „Tygodnik Powszechny“ ein, ab 1984 war er Mitglied im inoffiziellen von Stanisław Stomma geleiteten Klub für politisches Denken „Dekanat‘“ (Klub Myśli Politycznej „Dziekania“). Dieser strebte die stufenweise Legalisierung von oppositionellen Organisationen an, um so mit der Zeit zu einer Koexistenz oppositioneller Mitte-Rechts-Milieus mit der geschwächten Staatsmacht zu kommen. Diese Taktik beurteilten viele im Untergrund tätige Solidarność-Aktivisten als gegen die Gewerkschaft gerichtet und als eine De-facto-Integration der Opposition in das kommunistische System.

Krzysztof Burnetko
Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin
Letzte Aktualisierung: 11/15