Historiker und Mediävist; führender Vertreter der sogenannten Revisionisten der 60er Jahre; Mitautor des „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“, ab 1980 in der Solidarność Niederschlesien, Mitglied in Landeskoordinierungs- und Landesausschuss, bis April 1981 Pressesprecher der Solidarność; Pseudonyme: „Krzysztof Kwiecień”, „Czesław Bednarski”, „CB”.

Während der Internierungshaft verlor Modzelewski auch seinen Arbeitsplatz. Dennoch kehrte er in die Forschung zurück. 1987 wurde er von der Polnischen Akademie der Wissenschaften angestellt. Er gehörte weder den seit dem Kriegsrecht konspirativen Führungsstrukturen der Solidarność an, noch trat er dem 1988 gebildeten Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der Solidarność (Komitet Obywatelski przy Przewodniczącym NSZZ „Solidarność“) bei. Er nahm auch nicht an den Gesprächen am Runden Tisch teil, obwohl er in einem Beitrag für den „Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt) im Oktober 1988 diesen Ansatz für eine Kompromisslösung zwischen der Regierung und der Solidarność befürwortet hatte. Im Juni 1989 wurde Modzelewski in den ersten halbfreien Wahlen als Kandidat des Bürgerkomitees in die zweite Kammer des polnischen Parlaments (Senat) gewählt. Sein Mandat als Senator nahm er bis 1991 wahr.

Ab 1990 initiierte Modzelewski die Bildung der Abgeordnetengruppe „Solidarność Pracy“ (Solidarität der Arbeit). 1992–95 engagierte er sich in der Partei Arbeitsunion (Unia Pracy). Bereits 1990 wurde er zum Professor ernannt und arbeitete fortan wissenschaftlich, ab 1994 an der Historischen Fakultät der Universität Warschau. Er ist Autor einer Vielzahl von Publikationen im Bereich der Mediävistik. Im Dezember 2006 wurde er Vizepräsident der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Karol Modzelewski starb am 28. April 2019 in Warschau.

Andrzej Friszke
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 07/16