Historiker und Mediävist; führender Vertreter der sogenannten Revisionisten der 60er Jahre; Mitautor des „Offenen Briefes an die Mitglieder der Partei“, ab 1980 in der Solidarność Niederschlesien, Mitglied in Landeskoordinierungs- und Landesausschuss, bis April 1981 Pressesprecher der Solidarność; Pseudonyme: „Krzysztof Kwiecień”, „Czesław Bednarski”, „CB”.

Während des Streiks im August 1980 kam er zwar auf die Danziger Lenin-Werft, wollte jedoch als jemand, der von den Herrschenden eindeutig mit dem März 1968 in Verbindung gebracht wurde, nicht die Verhandlungen der Streikenden mit der Regierungsdelegation erschweren. Er fuhr deswegen nach Breslau zurück, wo er Anfang September zum stellvertretenden Vorsitzenden des Gründungskomitees der neuen Gewerkschaften für die Breslauer Dienststellen der Polnischen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde. Als solcher trat er dem regionalen Überbetrieblichen Gründungskomitee (Międzyzakładowy Komitet Założycielski; MKZ) bei und wurde bald dessen Präsidiumsmitglied. Er wurde in den Ausschuss gewählt, der Breslau auf der Konferenz zur Gründung neuer Gewerkschaften am 17. September in Danzig vertreten sollte. Auf dieser Konferenz spielte Modzelewski eine wesentliche Rolle. Ähnlich wie auch Jan Olszewski trat er dafür ein, dass alle regionalen Gewerkschaftsverbände einen gemeinsamen Registrierungsantrag stellen und einen einheitlichen Landesausschuss bilden sollten. Modzelewski schlug auch den Namen Solidarność für die neue Gewerkschaft vor. Am 9. November 1980 wurde er von der Landesverständigungskommission (KKP) der Solidarność zum Pressesprecher ernannt.

Modzelewski war ein fest in seiner Region verwurzelter Gewerkschafter, der die Stimmungen im Volk einzuschätzen wusste und darüber hinaus ein begnadeter Redner war. Viele sahen in ihm jedoch auch einen Radikalen. So forderte er während der sogenannten Bromberger Krise, bei der die Miliz Gewerkschafter verprügelt hatte, zu einem Generalstreik auf, um die Staatsführung zu Zugeständnissen zu zwingen. Nach der Warschauer Übereinkunft zwischen Solidarność und Staatsführung am 30. März 1981 kritisierte er auf der KPP-Sitzung am 31.03./01.04.1981 grundlegend die Arbeit der Verhandlungsdelegation und auch die Art und Weise der Beendigung des Streiks, bei der gegen die gewerkschaftliche Demokratie verstoßen worden sei. Er kritisierte auch Lech Wałęsa wegen dessen monarchischen Führungsstils in der Solidarność. Aus all dem zog er die Konsequenzen und trat als Pressesprecher zurück.

Modzelewski blieb jedoch Mitglied des Landeskoordinierungsausschusses und wurde im Oktober 1981 auf dem Ersten Landeskongress Solidarność in deren Landeskommission (Komisja Krajowa) gewählt. Er sprach sich in Bezug auf das Gesetz über die Zensur für eine Kompromisslösung aus und war dagegen, freie Wahlen zum Sejm zu fordern. Zugleich warb er für die Weiterentwicklung der Selbstverwaltung in der Industrie und die Vertiefung demokratischer Prozesse, unter anderem durch freie Wahlen zu den Nationalräten und die Einsetzung einer gesellschaftlichen Vertretung, die auf zentraler Ebene in der Lage sein müsse, mit Parlament und Regierung die Sozial- und Wirtschaftspolitik abzustimmen.

Während der Ausrufung des Kriegsrechts wurde Modzelewski in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 zunächst in das Internierungslager Strzebielinek und dann nach Białołęka gebracht. Es gelang ihm, aus der Internierungshaft einige Artikel herauszuschmuggeln, die in der Untergrundpresse unter dem Pseudonym „Czesław Bednarski“ abgedruckt wurden. Er war einer von sieben Solidarność-Führern, die im Dezember 1982 nicht wie die anderen aus der Internierungshaft entlassen wurden. Sie blieben inhaftiert, da ihnen ein gewaltsamer Umsturzversuch vorgeworfen wurde. Ohne Prozess weiter hinter Gittern, kamen diese Aktivisten erst im Rahmen der Amnestie im Juli 1984 wieder auf freien Fuß.

Andrzej Friszke
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 07/16