Historiker und Literaturwissenschaftler; einer der aktivsten Mitstreiter des Klubs des Krummen Kreises; ab 1976 Mitglied des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) und dann des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (KSS „KOR“); engagierte sich ab 1978 in der Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse; ab 1981 im Vorstand der Solidarność der Region Masowien; 1987–91 Vorsitzender des Parteivorstandes der reaktivierten Polnischen Sozialistischen Partei; ab 1988 im Bürgerkomitee beim Vorsitzenden der Solidarność; Pseudonyme: „Chl“, „J. J. L.“, „jjl“, „(jjl)“.

1960 trat Lipski dem Bund Polnischer Literaten bei, leitete 1960/61 die Kulturabteilung der Zeitschrift „Gromada – Rolnik Polski“ und arbeitete 1961–82 im Institut für Literarischen Forschungen (Instytut Badań Literackich) der Polnischen Akademie der Wissenschaften. 1962–81 und 1986–88 war er Vorsitzender der geheimen Freimaurerloge „Kopernikus“.

Lipski war – neben dem Dichter Antoni Słonimski – einer der Initiatoren des Briefes der 34 an Premierminister Cyrankiewicz, mit dem Schriftsteller und Wissenschaftler im März 1964 gegen die Verschärfung der Zensurbestimmungen und gegen die weitere Limitierung der Papierzuteilung für Bücher protestierten. Obwohl er den Brief selbst nicht unterzeichnete (er erachtete sich selbst als zu wenig bedeutend), sammelte er Unterschriften, woraufhin er am 23. März 1964 nach einer Wohnungsdurchsuchung für 48 Stunden in Polizeigewahrsam genommen wurde. Anschließend wurde gegen ihn ein Publikationsverbot verhängt.

1965 sorgte Lipski nach der Verhaftung von Jacek Kuroń und Karol Modzelewski dafür, dass der Wortlaut von deren „Offenem Brief an die Mitglieder der Partei“ an Jerzy Giedroyc in Paris übermittelt wurde, der den Text abdruckte. Lipski sammelte unter Kulturschaffenden auch Spenden zur Unterstützung der Familien der Inhaftierten. Auch für weitere Verhaftete organisierte er materielle Hilfe, so unter anderem für Janusz Szpotański, der im Gefängnis landete, weil er im Rahmen privater Feiern die satirische Oper „Cisi i gęgacze czyli bal u Prezydenta“ (Die Stillen und die Gänse oder Ball beim Präsidenten) zur Aufführung gebracht hatte (mit der Bezeichnung „Präsident“ war Lipski gemeint). In den folgenden Jahren erhielten noch weitere Gefangene aus verschiedenen oppositionellen Gruppen finanzielle Hilfe und Unterstützung. Lipskis Einsatz ist es auch zu verdanken, dass die Finanzhilfe für Oppositionelle ab 1968 von der Barmherzigkeitsseelsorge unterstützt wurde. 1974 stellte der Schriftsteller Melchior Wańkowicz die beträchtliche Summe von 8.000 Dollar für diese Zwecke zur Verfügung.

Lipski hat wesentlich zur Entwicklung verschiedener Widerstandsformen der demokratischen Opposition beigetragen. Dazu gehörte unter anderem die Anwesenheit allgemein anerkannter und geschätzter Persönlichkeiten, beispielsweise von Professoren und Dichtern bei politischen Prozessen (zum ersten Mal im Prozess gegen Szarzyńska-Rewska), was Staatsanwälte und Richter einer gewissen Peinlichkeit aussetzte. Eine weitere Widerstandsform waren Petitionen zur Durchsetzung von bürgerlichen Freiheiten und Rechtsstaatlichkeit (das erste Schreiben dieser Art war der Brief der 34). Wichtig war auch die konspirative Sammlung von Geldspenden zur Unterstützung der von Repressionen Betroffenen: Dieses Geld wurde für den rechtlichen Beistand der Betroffenen benötigt, für die finanzielle Unterstützung der Gefangenen während der Haft, für Päckchen und ggf. auch für die finanzielle Unterstützung der Angehörigen der Häftlinge.

Als Adam Michnik 1967 vor der Disziplinarkommission der Universität Warschau stand und seine Exmatrikulation drohte, entwarf Lipski eine Petition und sammelte Unterschriften von Wissenschaftlern. Am 16. Februar wurde er vom Staatssicherheitsdienst verhaftet, der Text der Petition samt Unterschriften beschlagnahmt, dazu noch ein Teil seines Tagebuches, seine Wohnung gründlich durchsucht. Anfang 1968 unterschrieb er gemeinsam mit sieben anderen Schriftstellern eine an den Rektor der Universität Warschau gerichtete Erklärung, in der die Studierenden in Schutz genommen wurden, denen nach einer Demonstration gegen die Absetzung der Inszenierung des Mickiewicz-Stücks „Totenfeier“ (Dziady) am Warschauer Nationaltheater Konsequenzen drohten. Er organisierte materielle Hilfe für die Inhaftierten und arbeitete eng mit dem Rechtsanwalt Jan Olszewski zusammen.

Andrzej Friszke
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 07/16