Historiker; ab 1976 Mitglied im Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR), danach im Komitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (KSS „KOR“), ab 1977 Redakteur der unabhängigen Zeitschrift *„Głos“, ab 1980 Leiter des Zentrums für Gesellschaftsforschung der masowischen Solidarność; Pseudonyme: „Marcin Ankwicz“, „Marian Korybut“, „Scriptor“; nach 1989 in höchsten Regierungsämtern und seit 2015 Verteidigungsminister Polens.

1977–80 war Macierewicz ohne Arbeitsplatz. Immer wieder wurde er für 48 Stunden festgenommen, im Auftrag der Staatssicherheit auf der Straße zusammengeschlagen, regelmäßig wurde seine Wohnung durchsucht. Der Staatssicherheitsdienst drohte ihm, seine einjährige Tochter zu entführen und zu ermorden.

Im März 1980 rief Macierewicz zum Boykott der Parlamentswahlen auf. Im August 1980 tauchte er während einer Verhaftungswelle der Staatssicherheit unter. Am 2. September organisierte er zusammen mit Jarosław Kaczyński und Jan Olszewski in der Warschauer Bednarska-Straße eine Anlaufstelle mit Informationen über den Aufbau von unabhängigen Gewerkschaften.

Im Oktober 1980 wurde Macierewicz Mitglied des Expertengremiums der Landesverständigungskommission (Krajowa Komisja Porozumiewawcza; KKP) der Solidarność; im November1980 gründete er das Zentrum für gesellschaftliche Forschungen (Centrum Badań Społecznych) der Solidarność Masowien mit und ab Dezember1980 gab er die Zeitung „Wiadomości Dnia“ (Nachrichten des Tages) heraus. Im Januar 1981 wurde er Mitglied des Programm- und Konsultativrates des Zentrums für gesellschaftlich-gewerkschaftliche Arbeit der Landesverständigungskommission der Solidarność (Rada Programowo-Konzultacyjnej Ośrodka Prac Społeczno-Zawodowych przy KKP).

Auf dem Ersten Landesdelegiertenkongress der Solidarność forderte Macierewicz im September 1981 freie Wahlen zum Sejm und zu den Nationalräten. Am 27. September initiierte er gemeinsam mit Wojciech Ziembiński Klubs zum Dienst für die Unabhängigkeit (Kluby Służby Niepodległości), die ebenfalls freie Wahlen, wirtschaftliche Freiheit und die Pflege der Traditionen der Unabhängigkeit verlangten.

Bei der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember 1981 entging Macierewicz der Verhaftung und beteiligte sich am Streik in der Danziger Lenin-Werft. Nach der Niederschlagung des Streiks durch die Motorisierte Bürgermiliz ZOMO wurde er verhaftet. Seine Frau Hanna kehrte beunruhigt am 18. Dezember von einem Stipendienaufenthalt aus London nach Polen zurück. Sie wurde auf dem Warschauer Flughafen verhaftet und bis Juni 1982 im masurischen Gołdap interniert.

Macierewicz, der in den Gefängnissen von Iława, Złoty Piaski bei Kielce und Załęze festgehalten wurde, konnte im September aus dem Gefängnis von Łupków im Karpatenvorland fliehen. Er versteckte sich in Warschau und in der Region Kurpien und beteiligte sich an der Herausgabe der Samisdat-Wochenzeitschrift „Wiadomości“ (Nachrichten) sowie von „Głos“. Im 1983 veröffentlichten Programm der Gruppe um „Głos“ bekräftigte er, dass die Solidarność, die Kirche und das Militär gemeinsam zu einer nationalen Verständigung kommen könnten, um das polnische Staatswesen neu zu gründen.

1984 verließ er den Untergrund und trat in den Programmrat für die Seelsorge arbeitender Menschen (Rada Programowa Duszpasterstwa Ludzi Pracy) ein. 1987 gründete er die Vereinigung „Freiheit und Solidarität“ (Wolność i Solidarność), die sich für die polnische Unabhängigkeit einsetzte und mit der Arbeitsgruppe der Solidarność-Landeskommission zusammenarbeitete (mit Andrzej Gwiazda, Marian Jurczyk, Jan Rulewski, Andrzej Słowik und anderen). 1988 trat er gemeinsam mit den Kreisen um „Głos“ dem von Stanisław Stomma geleiteten Klub für politisches Denken „Dekanat“ (Klub Myśli Politycznej „Dziekania“) bei. Er verließ ihn wieder, als sich die anderen Gruppierungen des Klubs (die Gruppe von Alexander Hall, „Res Publika“ von Marcin Król, die Krakauer „13“ von Mirosław Dzielski und Tadeusz Syryjczyk) an den Vorbereitungen zu den Gesprächen am Runden Tisch beteiligten, denn das lehnte Macierewicz entschieden ab. In „Głos“ schrieb er: „Die linke Solidarność-Führung wurde zum Werkzeug von General Jaruzelski. Selbst wenn dies ein Fortschritt gegenüber der Vergangenheit ist, muss man sich doch fragen, ob der Preis, den die Polen dafür zu zahlen haben, nicht zu hoch ist.“

Teresa Bochwic
Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin
Letzte Aktualisierung: 11/15