Historiker, Kopf der Bewegung Junges Polen, 1982–84 Mitglied der Solidarność-Führung in Danzig, Aktivist des Klubs für politisches Denken „Dekanat“ und 1988/89 dessen stellvertretender Vorsitzender.

Nach seiner Rückkehr aus dem Untergrund war er in der Redaktion des von der Warschauer Kurie herausgegebenen „Katholischen Blattes“ tätig und arbeitete mit dem „Tygodnik Powszechny“ (Allgemeines Wochenblatt) zusammen. Seine Texte verbreitete er auch weiterhin über die Untergrundzeitschrift „Polityka Polska“. Dort propagierte er eine Abschwächung oppositioneller Aktivitäten gegen das kommunistische Regime, um eine stufenweise Evolution des volkspolnischen Systems vom „Parteistaat“ hin zu einem „Nationalstaat“ zu erreichen. Hall engagierte sich im von Stanisław Stomma geleiteten Klub für politisches Denken „Dekanat“ (Klub Myśli Politycznej „Dziekania“), dessen Vorsitzender er 1988/89 war. Trotz der Bemühungen, den Radius der bürgerlichen Freiheiten und des politischen Pluralismus zu verbreitern, lehnte er den durch einen Teil des Kreises um „Dekanat“ eingebrachten Vorschlag ab, bei den staatlich inszenierten Sejm-Wahlen im Juni 1985 katholische Kandidaten aufzustellen.

1985–87 war Hall (gemeinsam mit Grzegorz Grzelak, Lech Kaczyński, Jacek Merkel und Arkadiusz Rybicki) Teil des informellen Beratergremiums von Lech Wałęsa. Seine Distanz gegenüber der Untergrund-Solidarność nahm allmählich ab. Gemeinsam mit anderen Oppositionellen, die in Warschau auf Einladung Wałęsas versammelt waren, unterschrieb er am 31. Mai eine Erklärung, in der grundlegende Ziele der Opposition vorgestellt wurden. Im Mai und August 1988 unterstützte er – ähnlich wie andere Danziger Aktivisten der Bewegung Junges Polen – die beiden Streiks in der Danziger Werft. Damals befand er sich in einem immer deutlicheren ideellen Streit mit den sogenannten Posenern (Marek Jurek, Krzysztof Nowak, Marian Piłka). Während diese zur Schaffung einer nationalkatholischen Massenpartei auf der Grundlage der Bewegung Junges Polen drängten, sprach sich Hall, unterstützt durch die Mehrzahl der Danziger, für die Zurückstellung der eigenen Ideen und für die Beteiligung der Rechten an einer breiten Oppositionsbewegung aus, die die Kreise des ehemaligen Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (Komitet Samoobrony Społecznej; KSS „KOR“) und die Gewerkschaften umfasste. Auf dem ersten „halblegalen“ Kongress der Bewegung Junges Polen im September 1988 in Buraków vor den Toren Warschaus setzte sich die Linie Halls durch.

Im Dezember 1988 trat Hall in das Bürgerkomitee beim Solidarność-Vorsitz ein und unterstützte die Idee eines Runden Tisches. Er nahm an den Plenarversammlungen und den Verhandlungen der Arbeitsgruppe für politische Reformen teil, die vom 6. Februar bis zum 5. April 1989 tagten. Als im März 1989 über die Aufstellung von Kandidaten der Solidarność für die Sejm-Wahlen entschieden wurde, forderte er die Öffnung der Liste auch für Mitglieder von Oppositionsgruppen, die im Konflikt mit der Solidarność-Führung standen (so zum Beispiel die Arbeitsgruppe der Landeskommission). Als sein Konzept zurückgewiesen wurde, entschied er sich, nicht für das Parlament zu kandidieren.

Im September 1989 wurde Hall Mitglied der Regierung Tadeusz Mazowiecki, als Minister für Beziehungen zu politischen Parteien. Diese Funktion übte er bis 1991 aus. 1991–93 und 1997–2001 war Hall Parlamentsabgeordneter, 1991/92 stellvertretender Vorsitzender der Partei Demokratische Union (Unia Demokratyczna) und 1992–97 Vorsitzender der Konservativen Partei (Partia Konserwatywna). Ab 1997 engagierte sich Hall in der „Konservativen Volkspartei“ (Stronnictwo Konserwatywno-Ludowy), wo er das Amt des Vorsitzenden des Politischen Rates bekleidete. 1997–2001 war er Vizepräsident des Wahlbündnisses Wahlaktion Solidarność (Akcja Wyborcza Solidarność; AWS), im Jahre 2000 gründete er die liberal-konservative Bürgerplattform (Platforma Obywatelska; PO) mit, von der er sich heute distanziert.

Nach den Wahlen von 2001 zog sich Aleksander Hall aus der aktiven Politik zurück und widmete sich der wissenschaftlichen Arbeit. Er ist Dozent an der Hochschule für Informatik und Verwaltungswesen in Rzeszów sowie an der Europäischen Józef-Tischner-Hochschule in Krakau.

Piotr Zaremba
Aus dem Polnischen von Markus Pieper und Wolfgang Templin
Letzte Aktualisierung: 09/15