Historiker und Publizist; Teilnehmer an den Ereignissen im März 1968, einer der aktivsten Mitstreiter des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) und des Komitees für Gesellschaftliche Selbstverteidigung „KOR“ (KSS „KOR“); Dozent der Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse, Berater der Solidarność und Lech Wałęsas, einer der Architekten der Vereinbarungen vom Runden Tisch; seit 1989 Chefredakteur der „Gazeta Wyborcza“, 1989–91 Parlamentsabgeordneter für das Bürgerkomitee Solidarność; Pseudonyme: „Andrzej Jagodziński“, „Andrzej Zagozda“, „AZ“.

Adam Michnik wurde 1946 in Warschau in eine Familie kommunistischer Intellektueller geboren. Sein Vater war Mitglied der Kommunistischen Partei der West-Ukraine und saß deswegen vor dem Krieg zweimal in polnischen Gefängnissen. Enttäuscht vom real existierenden Sozialismus, trat er 1969 jedoch aus der Polnische Vereinigte Arbeiterpartei aus. Vom Elternhaus in der Tradition des linksgerichteten Radikalismus erzogen, trat Adam Michnik im Alter von elf Jahren in den von Jacek Kuroń geleiteten General-Walter-Stamm des Polnischen Pfadfinderverbands ZHP ein. Die dort praktizierte Verknüpfung von nonkonformistischer Erziehung und Marxismus sollte einen sehr prägenden Einfluss auf Michniks weiteren Lebensweg haben.

Anfang der 60er Jahre nahm er an den Treffen des Klubs des Krummen Kreises (Klub Krzywego Koła; KKK) teil. Als Gymnasiast gründete er gemeinsam mit Jan Gross und Jan Kofman den Klub der Widerspruch Suchenden (Klub Poszukiwaczy Sprzeczności), in dem gemeinsam mit Intellektuellen, die als Gäste eingeladen worden sind, politische Themen erörtert wurden. 1963 schlossen die Behörden den Diskussionsklub und Adam Michnik wurde, als er sich gerade auf sein Abitur vorbereitete, öffentlich von Parteichef Władysław Gomułka angegriffen.

Im Sommer 1964 reiste Michnik nach Westeuropa, wo er Jan Nowak-Jeziorański, Jerzy Giedroyc und Zbigniew Brzeziński begegnete. Nach seiner Rückkehr nahm er ein Geschichtsstudium an der Universität Warschau auf. Er engagierte sich bei den sogenannten Revisionisten und wurde zur führenden Gestalt des „Kommandotrupps“, einer studentischen Oppositionsgruppe an der Warschauer Universität. Die Gruppe griff heikle Themen im Rahmen öffentlicher Versammlungen auf und scheute sich nicht, auch Vertretern der Staatsmacht peinliche Fragen zu stellen. So meldete sich Michnik bei einer Veranstaltung mit Walery Namiotkiewicz, einem Sekretär Gomułkas, zu Wort und bezeichnete den Hitler-Stalin-Pakt als einen gegen Polen gerichteten Akt. 1965 verteilte Michnik den von Jacek Kuroń und Karol Modzelewski verfassten „Offenen Brief an die Mitglieder der Partei“ (List otwarty do członków PZPR) an der Universität. Obwohl er zum damaligen Zeitpunkt die linksradikalen Ansichten der beiden Autoren schon nicht mehr teilte, wurde er für zwei Monate inhaftiert und verlor befristet seinen Studentenstatus. Ein Jahr später wurde er erneut vom Studium suspendiert, weil er an der Historischen Fakultät aus Anlass des zehnten Jahrestages des Oktobers 1956 Veranstaltungen mit Leszek Kołakowski und Krzysztof Pomian organisiert hatte. Die Folge war, dass sich über tausend Studierende und 150 wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität in einer Petition für Adam Michnik einsetzten.

Die endgültige Zwangsexmatrikulation Michniks erfolgte im März 1968 wegen seiner Teilnahme an den Protesten gegen die Absetzung des Theaterstücks „Totenfeier“ (Dziady) von Adam Mickiewicz, das Kazimierz Dejmek am Warschauer Nationaltheater inszeniert hatte. Nach einer Protestkundgebung, die am 30. Januar 1968 vor dem Warschauer Mickiewicz-Denkmal stattfand, hatten Michnik und Henryk Szlajfer darüber einem Korrespondenten von „Le Monde“ berichtet. Die für den 8. März angesetzte Solidaritätskundgebung für Michnik und Szlajfer gilt als der Beginn einer Studentenrevolte im gesamten Land (März 1968). Am Tag darauf wurde Michnik verhaftet und im Februar 1969 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

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Studentenunruhen im März 1968: Demonstranten am Haupttor der Warschauer Universität, die von Studenten bestreikt wird. 8. März 1968

Im September 1969 kam er im Rahmen einer allgemeinen Amnestie frei und begann als Schweißer in den Warschauer Rosa-Luxemburg-Werken zu arbeiten. Nach zwei Jahren stellte ihn der Schriftsteller und Publizist Antoni Słonimski als seinen Sekretär an. 1973 machte Michnik sein Diplom in Geschichte im Rahmen eines Fernstudiums an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen.

Jan Skórzyński
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 08/16