Anfang der 90er Jahre wurde in Mazedonien unter dem Eindruck des fortschreitenden Zerfalls des sozialistischen Systems die juristische Rehabilitierung von im kommunistischen Regime hingerichteten Personen eingeleitet. Unter den strafrechtlich zu Rehabilitierenden befanden sich sowohl Kommunisten als auch Gegner des Systems, die für die Souveränität Mazedoniens und die Vereinigung seiner historischen Landesteile eingetreten waren.

Schon bald nach den Wahlen 1990 verabschiedete das mazedonische Parlament am 25. Januar 1991 die Erklärung der Souveränität der Republik Mazedonien. Erster Präsident wurde Kiro Gligorov. Die Regierungsverantwortung übernahm die aus dem Bund der Kommunisten hervorgegangene Sozialdemokratische Liga Mazedoniens (Socijaldemokratski sojuz na Makedonija; SDSM), die bis 1998 an der Macht blieb und dann erneut ab 2002 regierte. Einige Monate nach dem Austritt Kroatiens und Sloweniens aus den Föderationsstrukturen Jugoslawiens fand in Mazedonien ein Unabhängigkeitsreferendum statt, bei dem sich bei einer Wahlbeteiligung von 71 % insgesamt 95 % der Bürger für die Unabhängigkeit Mazedoniens aussprachen. Auch dieses Votum wurde vom Parlament bestätigt, worauf das Land am 17. September 1991 seine staatliche Souveränität erklärte.

Der Austritt Mazedoniens aus den Föderationsstrukturen Jugoslawiens vollzog sich anders als in den anderen Teilrepubliken ohne Blutvergießen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1992 zog Mazedonien sämtliche mazedonischen Abgeordneten aus dem jugoslawischen Bundesparlament und -präsidium ab, ebenso alle mazedonischen Diplomaten, die im Ausland den Staat Jugoslawien vertreten hatten. Die Verhandlungen mit Belgrad über den Abzug der jugoslawischen Armee liefen erfolgreich; als Termin für den Abzug wurde der 15. April 1992 vereinbart. Die mazedonische Regierung übernahm die geräumten Militärobjekte und den Schutz der Staatsgrenzen.

Was die staatlichen Symbole anbelangt, so griff Mazedonien auf den antiken Staat Alexanders des Großen zurück, um so die Kontinuität eines unabhängigen Mazedoniens zu bekräftigen. Die Nationalflagge zierte zunächst das sechzehnstrahlige Sonnensymbol des Sterns von Vergina, eines Emblems der makedonischen Königsdynastie zur Zeit Philipps II. (382–336 v. Chr.). Das Symbol war 1977/78 bei Ausgrabungen im Königsgrab Philipps II. im griechischen Vergina entdeckt worden.

Ebenfalls 1992 bemühte sich Mazedonien um die Anerkennung durch die internationale Staatengemeinschaft und um Aufnahme in die Vereinten Nationen. Die internationalen Institutionen verlangten Verfassungsgarantien und die Versicherung, dass das Land keine Gebietsansprüche gegenüber den Nachbarstaaten anmelde. Außerdem sollte der Landesname geändert werden. Vor allem Griechenland zeigte sich nicht bereit, den Namen Republik Mazedonien zu akzeptieren. Am 8. April 1993 wurde die Souveränität Mazedoniens unter dem vorläufigen Namen Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien anerkannt.

Lilla Moroz-Grzelak
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 08/17