Eine weitere Verhaftungswelle (nach der ersten unmittelbar nach Kriegsende) fand während des Konflikts zwischen Jugoslawien und der Sowjetunion 1948/49 statt. In der Auseinandersetzung mit Moskau ging es um die Unterordnung unter Stalins Willen, dem sich Belgrad verweigerte. Dies führte zum Bruch mit der UdSSR und zum Ausschluss Jugoslawiens im Juni 1948 aus dem Informationsbüro der Kommunistischen und Arbeiterparteien (Kominform). In Jugoslawien versuchte die Belgrader Führung im Rahmen von sogenannten Anti-Kominform-Aktionen auch die Führung der Kommunistischen Partei Mazedoniens von potenziellen, faktischen oder auch nur eingebildeten (in jedem Fall jedoch unbequemen) Gegnern zu säubern. Wie in den anderen Teilrepubliken deportierte man diese oftmals ohne Gerichtsurteil zur Zwangsarbeit auf die kroatische Gefängnisinsel Goli otok oder in die speziell eingerichteten Haftanstalten auf verschiedenen anderen Adriainseln wie Sveti Grgur und Ugljan.

Wegen ihrer angeblichen kominformfreundlichen Haltung wurden viele bekannte mazedonische Persönlichkeiten aus Politik und Kultur inhaftiert, darunter die Gründer des Antifaschistischen Rates für die Nationale Befreiung Mazedoniens Petre Piruze-Majski (ehemaliger Justizminister Mazedoniens) und Panko Brašanarov. Auf der Gefängnisinsel Goli otok hielt man auch den Dichter Venko Markovski, Mitglied der Sprachkommission und Abgeordneter des mazedonischen Parlaments, sowie seinen Dichterkollegen Duško Nanevski gefangen. Nach seiner Entlassung emigrierte Venko Markovski 1966 nach Bulgarien. In Mazedonien diente die Anschuldigung, Stalins Politik Vorschub zu leisten, die im Widerspruch zum Titoismus stehe, in vielen Fällen lediglich als Vorwand, um sich all jener zu entledigen, die eine Vereinigung Mazedoniens nicht mit Jugoslawien, sondern mit Bulgarien anstrebten. Derartige Auffassungen wurden als „bulgarophiler Autonomismus“ verfolgt. Zu den wegen ihrer „bulgarophilen“ Haltung Inhaftierten gehörten Lazar Sokolov (hochrangiger Funktionär der Kommunistischen Partei Mazedoniens), Pavel Šatev (Mitglied der bereits vor 1903 aktiven Terrorgruppe „Gemidži“ und später Präsidiumsmitglied des Antifaschistischen Rates für die Nationale Befreiung Mazedoniens) sowie Blagoj Hadžipanzov (Botschaftsrat in Sofia).

Auch während der kommunistischen Herrschaft ließen die Gebietsansprüche der Nachbarstaaten gegenüber Mazedonien nicht nach. So wurden immer wieder großserbische Ansprüche erhoben und von bulgarischer und griechischer Seite wurde des Öfteren die Existenz des mazedonischen Volkes infrage gestellt. In dieser Atmosphäre entstanden mazedonische Organisationen, die Forderungen nach einem Groß-Mazedonien und der vollen staatlichen Eigenständigkeit erhoben. Vertreter solcher Gruppen mussten Repressionen in Kauf nehmen. Zu Haftstrafen wurden zum Beispiel 1963 Mitglieder einer Geheimorganisation verurteilt, die sich in der Tradition der Inneren Mazedonischen Revolutionären Organisation sah. Ein Jahr darauf standen Aktivisten einer Gruppe aus Kičevo vor Gericht, die sich den Namen Selbständige Illegale Mazedonische Organisation gegeben hatte.

Im Laufe der Zeit wurde die Dezentralisierung des jugoslawischen Staates zu einem der wichtigsten Reformvorhaben in den Bereichen Staatsaufbau, Nationalitätenpolitik und Wirtschaft, das Politiker aus den Teilrepubliken unterstützten. Die Dezentralisierungs- und Reformbestrebungen waren letztlich der großangelegte Versuch, den Einfluss serbischer Politiker zu beschränken. Letzteren warf man vor, die jugoslawische Staatsführung zu dominieren. Im Zuge der Politik der 60er Jahre, Nationalitätenunterschiede innerhalb des jugoslawischen Gesamtstaates demonstrativ zu akzeptieren, kam es auch zu einer Emanzipierung der mazedonischen Volksgruppe. Die Regierung der mazedonischen Teilrepublik konnte Initiativen im Kultur- und Wissenschaftsbereich umsetzen, die für die kulturelle Identität von enormer Wichtigkeit waren. So wurde 1967 nicht nur die Mazedonische Akademie der Wissenschaften und Künste etabliert, sondern auch die Autokephalie (Eigenständigkeit) der Mazedonisch-Orthodoxen Kirche verkündet.

Die Staatsführung der Föderation wandelte sich damit zu einem Garanten für die Existenz der mazedonischen Staatlichkeit, die auf das Territorium des Vardar-Makedonien begrenzt war. Nicht geduldet wurden hingegen jedwede wie auch immer gearteten Aktivitäten, in denen Belgrad eine Gefährdung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten Jugoslawiens sah. Gleiches galt, wenn die sozialistische Gesellschaftsordnung Jugoslawiens infrage gestellt wurde. Als vorbeugende Maßnahme ließ die Staatsführung beispielsweise die gesamte Auflage der Zeitschrift „Sovremenost“ (Nr. 3/1974) einstampfen, weil darin das Gedicht „Bez naslov“ (Ohne Titel) des aus Ägäis-Makedonien stammenden Dichters Dimitar Jonovski abgedruckt war. Begründet wurde diese Entscheidung damit, dass das Gedicht als Kritik an der Gesellschaftsordnung der Sozialistischen Republik Mazedonien interpretiert werden könnte. Zensurmechanismen bewirkten, dass oftmals Autoren selbst Werke wieder zurückzogen, die bereits für den Druck in Literaturzeitschriften vorgesehen waren. Dies tat zum Beispiel der aus Ägäis-Makedonien stammende Schriftsteller Risto Jačev sowie zahlreiche verantwortliche Redakteure, die aus den Verlagsprogrammen Gedichte von Ljuben Taškovski entfernten.

Repressionen ausgesetzt waren auch einige Mazedonier, die in den zentralen Föderationsstrukturen Jugoslawiens tätig waren. 1978 fiel der hohe Regierungsbeamte Kiro Gligorov, ein kommunistischer Funktionär aus den Zeiten des Antifaschistischen Rates für die Nationale Befreiung Mazedoniens, in Ungnade und verlor seine Ämter. Einige Jahre später wurde er auch aus dem Zentralkomitee der Partei geworfen, weil er von der Notwendigkeit gesprochen hatte, marktwirtschaftliche Prinzipien zu berücksichtigen.

Mit der Zeit weitete sich der Widerstand gegen die kommunistische Herrschaft auch auf Gebiete jenseits der Grenzen Mazedoniens aus. Einen in Mazedonien noch endgültig zu bewertenden Platz unter den Dissidenten nahm Dragan Bogdanovski (1929–98) ein. Er vertrat die sogenannte maximalistische Strömung, die ein vereintes Mazedonien zum Ziel hatte. Seine Aktivitäten im Exil waren darauf gerichtet, in Europa, den USA und Australien mazedonische politische Organisationen zu etablieren (so etwa die in Paris gegründete Mazedonische Volksfront). Anfang der 70er Jahre war Bogdanovski einer der Gründer der Bewegung für die Befreiung und Vereinigung Mazedoniens, einer Geheimorganisation, an deren Spitze er sich dann stellte. Die Bewegung sah in den Mazedoniern ein eigenständiges Volk, das sie aus Jugoslawien herauslösen und mit den anderen historischen Teilen Makedoniens vereinigen wollte. 1976 entführte der jugoslawischen Geheimdienst Bogdanovski in Paris und brachte ihn nach Mazedonien, wo er wegen staatsfeindlicher Tätigkeit zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Nach seiner Haftentlassung war er weiter im Exil aktiv. Er gilt als der geistige Vater der am 17. Juni 1990 in Mazedonien gegründeten, konservativ orientierten Demokratischen Partei für Mazedonische Nationale Einheit (Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo; DPMNE). 2013 wurden Dokumente veröffentlicht, die nahelegten, dass Dragan Bogdanovski jahrelang für die jugoslawische Geheimpolizei gearbeitet habe. Eine endgültige Bewertung seiner Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit steht jedoch noch aus.

Lilla Moroz-Grzelak
Aus dem Polnischen von Gero Lietz
Letzte Aktualisierung: 08/17