Glossar

Ukrainische Helsinki-Gruppe

Die nach dem Vorbild der Moskauer Helsinki-Gruppe gegründete Menschenrechtsorganisation wurde im November 1976 von zehn Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Ihre vollständige Bezeichnung lautete „Ukrainische öffentliche Gruppe zur Förderung der Durchführung der Beschlüsse von Helsinki“ (Ukraïns‘ka helsin‘ska hrupa spryjannja vykonanniu Helsin‘skych uhod). Die Ukrainische Helsinki-Gruppe wurde von Mykola Rudenko geleitet. Ihr gehörten während ihres Bestehens insgesamt 37 Personen an. Bis Ende 1980 gab die Gruppe 30 Erklärungen, Appelle und andere Dokumente zum Schutz der Menschenrechte heraus. Ab 1979 war in den USA eine Auslandsvertretung der Ukrainischen Helsinki-Gruppe tätig, die das „Bulletin zu Repressionen in der Ukraine“ (Vysnik represij v Ukraïni) herausgab.

In der Sowjetunion begannen im Dezember 1976 Hausdurchsuchungen und Verhöre von Mitgliedern der Gruppe sowie im Januar 1977 Verhaftungen. Im März 1981 befanden sich alle Mitglieder entweder im Gefängnis oder in der Emigration. 1988 nahm die Ukrainische Helsinki-Gruppe (Ukraïns‘ka helsin‘ska hrupa) ihre Tätigkeit unter der Leitung von Lewko Lukjanenko wieder auf und benannte sich kurz darauf in den „Ukrainischen Helsinki-Verband“ um.

Umsturz im Dezember 1989

Bis zum heutigen Tag ist es nicht gelungen, eine detaillierte und über jeden Zweifel erhabene Version der Ereignisse von 1989 in Rumänien festzulegen. Das beginnt schon bei der Bezeichnung der Geschehnisse: Einige sagen „Revolution“, andere „Palastrevolution“ oder „Staatsstreich“.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1989 schien das Ende des Regimes von Nicolae Ceaușescu unausweichlich zu sein. Am 14. Dezember versuchten lokale Oppositionsgruppen in Iași, eine größere Demonstration zu veranstalten. Der entscheidende Funke, der das ganze Land entzünden sollte, waren jedoch die Proteste in Temeswar (Timișoara), wo sich am 16. Dezember eine Gruppe von Bürgerrechtlern vor dem Haus des ungarischen Pfarrers László Tőkés versammelte. Nicolae Ceaușescu begab sich währenddessen am 18. Dezember zu einem lange geplanten Staatsbesuch in den Iran. Wieso der Diktator angesichts der schwierigen Lage in Rumänien nicht absagte, bleibt unklar. Die Abwesenheit des Partei- und Staatschefs führte zu chaotischen Zuständen aufseiten der Herrschenden, die dazu führten, dass untere Machtorgane einander widersprechende Beschlüsse fassten. Nach seiner Rückkehr aus dem Iran hielt Ceaușescu am 20. Dezember eine in scharfem Ton formulierte Rede im rumänischen Fernsehen und rief für den nächsten Tag zu einer Großkundgebung vor dem Sitz des Zentralkomitees auf. Dort versprach er Lohnerhöhungen, wurde jedoch von der Menge ausgepfiffen und musste Zuflucht im Inneren des ZK-Gebäudes suchen. Am nächsten Tag floh er aus Bukarest, die Macht übernahm die neukonstituierte Nationale Rettungsfront. Am 25. Dezember 1989 wurden Nicolae und Elena Ceaușescu in einem inszenierten Schnellprozess in Târgoviște zum Tode verurteilt und sofort erschossen. Die personelle Zusammensetzung der Nationalen Rettungsfront lässt vermuten, dass auch Armee- und Geheimdienstoffiziere am Sturz des Regimes einen Anteil hatten.

Umsturz vom 9. September 1944

Von der Vaterlandsfront durchgeführter antidemokratischer Staatsstreich, mit dem die rechtmäßige Regierung gestürzt wurde. Erster Kabinettschef der Vaterlandsfront-Regierung wurde Kimon Georgiew von der Organisation Zweno. Zwei Schlüsselministerien – Justiz und Inneres – gingen an Mitglieder der Bulgarischen Kommunistischen Partei.

Unabhängige Friedensbewegung – Initiative zur Demilitarisierung der Gesellschaft

Das Gründungsdokument der tschechoslowakischen „Unabhängigen Friedensbewegung – Initiative zur Demilitarisierung der Gesellschaft“ (Nezávislé Mírové Sdružení – Iniciativa za demilitarizaci společnosti; NMS-IDS) wurde am 16. April 1988 von Tomáš Dvořák, Jan Chudomel, Jáchym Kaplan, Hana Marvanová und Jiří Pavlíček unterschrieben und knüpfte direkt an die seit 1981 bestehende Tradition an, sich jährlich zum Gedenken an den Musiker John Lennon an dessen Todestag auf der Prager Moldauinsel Kampa zu treffen. Den entscheidenden Impuls gab der Erfolg einer von Jan Svobodá initiierten Petitionskampagne, die für Wehrpflichtige aus weltanschaulichen Gründen einen zivilen Ersatzdienst benannte. Die Unabhängige Friedensbewegung befasste sich im Zusammenhang mit der Demilitarisierung der Gesellschaft aber auch mit weiteren Fragen: Es ging um die Einhaltung der Menschenrechte, den Schutz der Natur und um die Forderung, dass die Sowjetarmee tschechoslowakischen Boden verlassen sollte. Ihren größten Erfolg verzeichnete die „NMS-IDS“ mit einer Demonstration am 21. August 1988 in der Prager Innenstadt.

Viele der jungen Mitglieder der Unabhängigen Friedensbewegung waren Repressionen wie Hausdurchsuchungen, Verhören, kurzfristigen Haftstrafen und Verurteilungen ausgesetzt. Gleich nach ihrer Gründung nahm die „NMS-IDS“ Kontakt zu Vertretern der staatlich anerkannten „offiziellen“ Friedensbewegung auf und später auch mit Vertretern des offiziellen „Sozialistischen Jugendverbandes“ (Socialistický Svaz Mládeže). Die Unabhängige Friedensbewegung engagierte sich hauptsächlich in Prag, Brünn, Liberec und Ostrava und gab das „NMS-Bulletin“ heraus. Im Frühjahr 1989 kam es zu heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedern. Ein eher radikaler Teil bestand darauf, keine Verhandlungen mit offiziellen staatlichen Institutionen aufzunehmen. Daneben gab es auch eine anarchistische Strömung.

Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte

Die Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte (Nezavisimo družestvo za zaštita pravata na čoveka) war die erste legale Menschenrechtsorganisation in Bulgarien mit einer klar konservativen politischen Ausrichtung. Sie wurde am 16. Januar 1988 gegründet.

Unabhängige Gewerkschaft Podkrepa

Erste unabhängige Gewerkschaftsorganisation Bulgariens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Unabhängige Gewerkschaft Podkrepa (Nezavisima federacija na truda „Podkrepa“) wurde am 8. Februar 1988 gegründet und später als Gewerkschaftskonföderation Podkrepa (Konfederacija na truda „Podkrepa“) bekannt. Als solche vereinte sie 36 regionale Gewerkschaften und 30 Gewerkschaftsföderationen.

Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“

Bauerngewerkschaft, die ideell eng mit der Solidarność verbunden war und auch mit dieser kooperierte. Ihren Ursprung hatte die mit vollem Namen Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“ (Niezależny Samorządny Związek Zawodowy Rolników Indywidualnych „Solidarność“) genannte Gewerkschaft in den ab 1978 entstandenen unabhängigen Bauerngruppen Provisorisches Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung (Tymczasowy Komitet Samoobrony Chłopskiej) der Region Lublin, Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung (Komitet Samoobrony Chłopskiej) der Region Grójec mit Sitz in Zbrosza Duża, Komitee der Bäuerlichen Selbstverteidigung der Region Rzeszów und Provisorisches Komitee der Gewerkschaft der Bauern (Tymczasowy Komitet Zawodowego Rolników; TKZZR). Einfluss auf das Entstehen einer unabhängigen Bauernbewegung hatten auch KSS „KOR“, ROPCiO sowie die an die Bauernschaft gerichteten Zeitschriften „Gospodarz“ (Landwirt), „Placówka“ (Zweigstelle) und „Postęp“ (Fortschritt). Eine Inspirationsquelle für die unabhängige Bauernbewegung waren auch die Veteranen der Bauernbewegung, die 1979 ein Zentrum für Agrarisches Denken (Ośrodek Myśli Ludowej; OML) gründeten.

Bis 1980 hatten die Bauerngruppen noch keine eigene, gemeinsame Interessenvertretung hervorgebracht und standen damit anderen politischen Oppositionsgruppen in dieser Hinsicht nach. Die prominentesten Bauernvertreter aus jener Zeit waren Janusz Rolek (Woiwodschaft Lublin), Pfarrer Czesław Sadowski (Zbrosza), Jan Kozłowski, Wiesław Kęcik (KSS „KOR“, „Placówka“), Bogumił Studziński (ROPCiO, „Gospodarz“) und Michał Jagła (Zentrum für Agrarisches Denken).

Nach dem Streiksommer 1980 nahmen die Bauern die Organisierung des gewerkschaftlichen Lebens für Einzelbauern im Herbst selbst in die Hand, in den meisten Fällen ohne dabei an Entwicklungen aus der Zeit vor dem August 1980 anzuknüpfen. Im Oktober 1980 lehnte das Woiwodschaftsgericht Warschau die Registrierung der unabhängigen Bauerngewerkschaft Solidarność Land ab, die ungeachtet dessen in der Folgezeit versuchte, ihre Tätigkeit fortzuführen. Es existierte auch noch eine zweite Gewerkschaft: die Bauern-Solidarność (Solidarność Chłopska).

Ende Dezember 1980 begannen Protestaktionen der Bauern, wie Besetzungen von Verwaltungsgebäuden, die mit der Unterzeichnung von Vereinbarungen mit der Obrigkeit in Ustrzyki Dolne und in Rzeszów endeten (am 18. und 20. Februar 1981). In diesen Vereinbarungen ging es um die Unantastbarkeit bäuerlichen Eigentums, um ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen für eine bessere Rentabilität bäuerlicher Einzelbetriebe sowie um eine verbesserte Versorgungslage auf dem Lande. Die Staatsmacht erkannte jedoch weiterhin nicht das Recht der Landwirte an, sich in Gewerkschaften zu organisieren und wollte diese zwingen, sich den vom Staat kontrollierten Vereinigungen der gegenseitigen Bauernhilfe anzuschließen.

Am 8. März 1981 erhielt die unabhängige Bauernbewegung schließlich eine einheitliche Organisation: die Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft der Einzelbauern „Solidarność“, deren Vorsitzender Jan Kułaj wurde. Mitte März begannen die Mitglieder dieser Gewerkschaft in Bydgoszcz (Bromberg) mit einer Protestaktion, die die offizielle Registrierung ihrer Organisation zum Ziel hatte. Die Unterstützung dieser Forderung durch die Solidarność führte auf einer Sitzung des Woiwodschaftsnationalrates in Bydgoszcz zu einem Zwischenfall, bei dem drei Gewerkschaftsvertreter tätlich angegriffen wurden. Dies löste die landesweite sogenannte „Bromberger Krise“ (19.–30. März) aus, die erst mit der Unterzeichnung einer offiziellen Vereinbarung beigelegt werden konnte. Darin war das Verfahren der Registrierung der Solidarność der Einzelbauern bestätigt. Die Registrierung und Zulassung der Bauerngewerkschaft erfolgte dann am 12. Mai 1981. In der Folgezeit baute die Organisation ihre Repräsentanz im Land aus, erreichte jedoch nie eine vergleichbare Bedeutung wie die Solidarność.

Nach Ausrufung des Kriegsrechts und dem Verbot der Solidarność der Einzelbauern war das Ausmaß der gewerkschaftlichen Untergrundarbeit auf dem Land groß. Die wichtigste Initiative war im Jahre 1982 die Gründung des Gesamtpolnischen Widerstandskomitees der Bauern (Ogólnopolski Komitet Oporu Rolników; OKOR) durch Józef Teliga. Viel Rückhalt fanden Bauernaktivisten in Kirchengemeinden. Erst 1986 machte man sich an den Wiederaufbau der organisatorischen Strukturen, und im März 1987 wurde der Landesbauernrat „Solidarność“ berufen, den Vorsitz hatte Józef Ślisz. Vertreter der Bauerngewerkschaft waren an den Gesprächen am Runden Tisch beteiligt. Im April 1989 erfolgte die offizielle Wiederzulassung der Solidarność der Einzelbauern. Personalstreitigkeiten und die Entstehung weiterer Bauernparteien führten zu einer Schwächung der Bauerngewerkschaft, die Anfang der 90er Jahre etwa 300.000 Mitglieder zählte.

Andrzej Friszke

Unabhängige Ungarische Initiative

Unabhängige Organisation der ungarischen Minderheit in der Slowakei mit liberaler Ausrichtung. Die Unabhängige Ungarische Initiative (Maďarská nezávislá iniciativa) wurde am 18. November 1989 in der Privatwohnung von Károly Tóth in der mittelslowakischen Kleinstadt Šaľa (Ungarisch: Vágselly) gegründet. Die Initiative arbeitete eng mit der Bewegung *„Öffentlichkeit gegen Gewalt“ (Verejnosť proti násiliu; VPN) zusammen und trat gemeinsam mit dieser zu den Parlamentswahlen 1990 an. Die Initiative änderte später ihren Namen in „Ungarische Bürgerpartei“ (Magyar Polgári Párt – Maďarská občianska strana). Bei den Parlamentswahlen 1992 trat sie allein und 1994 auf einer gemeinsamen Liste der „Ungarischen Gemeinschaft“ (Maďarská koalícia) an. Seit 1998 besteht sie als liberal-bürgerliche Fraktion in der Partei der Ungarischen Gemeinschaft (Magyar Közösség Pártja).

Unabhängiger Studentenverband

Eine vom Staat unabhängige polnische Studentenorganisation, die am 22. September 1980 gegründet wurde. Den Impuls zur Entstehung des Unabhängigen Studentenverbandes (Niezależne Zrzeszenie Studentów; NZS) gab die Solidarność. Zunächst formierten sich parallel zueinander unabhängige Studentenorganisationen in verschiedenen Städten. Auf dem gesamtpolnischen Kongress der Gründungskomitees dieser Organisationen wurde mit dem Unabhängigen Studentenverband eine einheitliche Organisation ins Leben gerufen. Zugleich wurde das Gesamtpolnische Gründungskomitee (Ogólnopolski Komitet Założycielski) als vorläufige Leitung gewählt. Offiziellen Status erhielt der Studentenverband erst im Februar 1981, und das auch erst nach einem viele Woche währenden Studentenstreik in Łódź. Im April 1981 fand dann der erste Landeskongress statt, auf dem der Landeskoordinationsausschuss (Krajowa Komisja Koordynacyjna) gewählt wurde, dessen Vorsitz Jarosław Guzy übernahm. Kurze Zeit nach der Ausrufung des Kriegsrechts wurde der Unabhängige Studentenverband im Januar 1982 verboten und viele seiner Aktivisten interniert.

Ende der 80er Jahre formierten sich an verschiedenen Hochschulen erneut illegale Hochschulgruppen, die einen Antrag auf offizielle Zulassung stellten (so entstand am 8. März 1988 das Gründungskomitee des Unabhängigen Studentenverbandes an der Universität Warschau). Vertreter des noch illegalen Unabhängigen Studentenverbandes nahmen auch an den Gesprächen am Runden Tisch teil; der erste Zulassungsantrag wurde jedoch im Mai 1989 von einem Gericht abgewiesen. Offiziell zugelassen wurde der Unabhängige Studentenverband erst wieder im September 1989.

Piotr Śmiłowicz

Ungarische Revolution

Bei der Ungarischen Revolution von 1956 handelte es sich um einen Aufstand der ungarischen Gesellschaft gegen das kommunistische System. Als ihr Beginn gilt eine Demonstration zur Unterstützung der Veränderungen in Polen (Oktober 1956), die am 23. Oktober 1956 am Józef-Bem-Denkmal in Budapest stattfand. Zur Zuspitzung der Situation trug eine Rede des ungarischen Ministerpräsidenten und Ersten Sekretärs Ernő Gerő bei, der im Namen der Partei all jene verurteilte, „die unter Missbrauch der Freiheit eine nationalistische Demonstration veranstalteten“. Die vor dem Rundfunkgebäude versammelte Volksmenge begann mit der Entwaffnung von Soldaten und Milizionären.- Es wurde versucht, ein am 22. Oktober an der Budapester Technischen Universität vorbereitetes 16-Punkte-Programm über den Rundfunk zu verbreiten. Darin wurden unter anderem der Abzug der sowjetischen Truppen sowie die Demokratisierung des öffentlichen Lebens gefordert. Noch am selben Abend brachten die Demonstranten ein riesiges Stalin-Denkmal auf dem Heldenplatz zu Fall.

Bereits am nächsten Tag marschierten sowjetische Truppen in Budapest ein, die von Mitgliedern des Politbüros zu Hilfe gerufen worden waren. Am 25. Oktober fanden Gespräche mit Vertretern der Sowjetführung statt; vereinbart wurde unter anderem, dass Gerő durch János Kádár ersetzt werden sollte. Unterdessen griff die Revolution auf das gesamte Land über. In vielen Städten entstanden Revolutionskomitees (auf Gebiets- und Betriebsebene, die Komiteemitglieder kamen aus verschiedenen politischen Gruppierungen) und Arbeiterräte (der wichtigste war der Zentrale Arbeiterrat von Groß-Budapest). Viele Parteien nahmen ihre Tätigkeit wieder auf (darunter die Unabhängige Partei der Kleinlandwirte, die Sozialdemokratische Partei, die Christliche Volkspartei), es entstanden Vereine, Räte, Gewerkschaften. Am 28. Oktober nannte Imre Nagy (der vier Tage zuvor wieder Ministerpräsident geworden war) den Volksaufstand eine nationale Revolution. Am 30. Oktober gab es eine erneute Zusammenkunft mit der sowjetischen Delegation, auf der beschlossen wurde, die sowjetischen Truppen aus Budapest abzuziehen. Am selben Tag wurde die Partei der Ungarischen Werktätigen aufgelöst, an ihre Stelle trat die Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei, in deren Führung auch Reformbefürworter saßen (Kádár, Nagy, Donáth und andere).

Jedoch bereits am 4. November, nach Einholung der Zustimmung der anderen Staaten des Warschauer Pakts, starteten die sowjetischen Truppen ihre zweite Invasion in Ungarn. Es wurde eine Revolutionäre Arbeiter- und Bauernregierung mit János Kádár an der Spitze eingesetzt. Die schwierige internationale Lage (Intervention westlicher Truppen im Nahen Osten) trug mit dazu bei, dass ein Hilfsappell ungarischer Intellektueller kaum ein Echo auslöste (eine Ausnahme waren die Solidaritätsbekundungen der polnischen Gesellschaft). Die Ungarische Revolution wurde niedergeschlagen. Es gab 3.000 Tote und 18.000 Verletzte, mehr als 200.000 Menschen verließen das Land. Es wurden 800 Todesurteile gefällt, von denen ca. 400 vollstreckt wurden (hingerichtet wurde Imre Nagy und viele andere), 15.000 Menschen kamen in Arbeitslager, 20.000 ins Gefängnis.

Ungarisches Demokratisches Forum

Das „Ungarische Demokratisches Forum“ (Magyar Demokrata Forum; MDF) war anfangs eine gesellschaftlich-politische Organisation, gegründet von den Teilnehmern des Treffens in Lakitelek. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der Historiker Lajos Für, István Bakos, der Schriftsteller Gyula Fekete, Sándor Csoóri und István Csurka, MDF-Vorsitzender wurde jedoch Zoltán Bíró. Anschluss an die Bewegung fanden verschiedene Gruppen von Lehrern, Ärzten und sogar von Mitgliedern der USAP. Im September 1988 wurde die Organisation in eine politische Partei umgestaltet, die in der zweiten Runde der Parlamentswahl im April 1990 mit 42 % Stimmenanteil und 164 Mandaten den Wahlsieg einfuhr. Im Mai desselben Jahres bildete sie eine Regierungskoalition mit der Unabhängigen Partei der Kleinlandwirte und der Christlich-Demokratischen Volkspartei.

Union Demokratischer Kräfte

Am 7. Dezember 1989 gebildete gemeinsame Plattform von neun Parteien, informellen Organisationen und oppositionellen Vereinen. Zur Union Demokratischer Kräfte (Săjuz na demokratičnite sili; SDS) gehörten die Unabhängige Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte, Ekoglasnost, die Unabhängige Gewerkschaft Podkrepa, das Komitee zum Schutz Religiöser Rechte, der Gewissensfreiheit und Geistiger Werte, der Klub der nach dem 9. September 1944 widerrechtlich Verfolgten, der BZNS „Nikola Petkow“, der Unabhängige Studentenverband, die Bulgarische Sozialdemokratische Partei und der Klub für Glasnost und Perestroika.

Unruhen in Tiflis

Spontane Massenunruhen in der georgischen Hauptstadt Tiflis (Tbilissi) vom 5. bis 11. März 1956. Diese waren die ersten offenen politischen Proteste in der Sowjetunion nach Stalins Tod. Die Kundgebungen und Demonstrationen, die im Verlauf von mehreren Tagen in verschiedenen Vierteln von Tiflis und anderen Städten Georgiens wie Gori, Sochumi, Batumi und Kutaissi stattfanden, richteten sich gegen die Demaskierung Stalins auf dem XX. Parteitag der KPdSU. In Georgien wurde dies als Verletzung der nationalen Würde bewertet.

Auf den Versammlungen wurden folgende Forderungen gestellt: sofortige Ablösung der Parteiführung, Rücknahme des internen Briefes des ZK der KPdSU „Über den Personenkult“, der den Text des Referates von Parteichef Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag enthielt, sowie den Austritt Georgiens aus der UdSSR. Mehrere Zehntausend Menschen nahmen an den Unruhen teil. Antriebskraft der Ereignisse waren junge Menschen, darunter zahlreiche Studenten.

Nachdem die Behörden zeitweise die Kontrolle über die Situation in der Hauptstadt verloren hatten, erstickte die Armee in der Nacht vom 9. auf den 10. März die Unruhen gewaltsam. Nach Angaben des Georgischen Innenministeriums kamen 15 Menschen ums Leben, 54 wurden verletzt, von denen sieben später ihren Verletzungen erlagen. Mehr als 300 Personen kamen in Haft, 29 wurde der Prozess gemacht. Mehr als 200 Personen waren Verwaltungsstrafen ausgesetzt, das heißt sie wurden von der Hochschule relegiert oder aus der Partei und aus dem Kommunistischen Jugendverband „Komsomol“ ausgeschlossen. Unter dem Eindruck dieser Ereignisse entstanden in Georgien erste illegale Oppositionsgruppen.

ÚPN

Das slowakische Institut für Nationales Gedenken (Ústav pamäti národa; ÚPN) entstand als Behörde 2002 auf Grundlage eines Gesetzes welches vorsah, den Bürgern die Akten der Staatssicherheitsorgane aus der Zeit von 1939 bis 1989 zugänglich zu machen und das um das sogenannte „Gesetz über das nationale Gedenken“ ergänzt und zuletzt 2004 novelliert wurde. Die Behörde hat die Aufgabe, die Akten und Dokumente der slowakischen Staatssicherheit sowie der Organe der nationalsozialistischen Besatzer und der sowjetischen Machthaber, die zwischen 1939 und 1989 auf dem Gebiet der heutigen Slowakischen Republik Verbrechen begangen hatten, zu sammeln, zu analysieren und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Das ÚPN ist eine öffentliche Einrichtung, die Behörde ist vorwiegend damit befasst, ehemaligen Opfern der tschechoslowakischen Staatssicherheit (ŠtB) Zugang zu den Dokumenten zu gewährleisten und Materialien über die Geheimpolizei zu publizieren. Das ÚPN gibt mit „Pamäť národa“ (Nationales Gedächtnis) eine eigene Zeitschrift heraus. Weitere Informationen zur Behörde unter: www.upn.gov.sk