Glossar

Waldbrüder

Umgangssprachliche Bezeichnung für Partisanen, die in den baltischen Republiken vor allem gegen die sowjetischen Besatzer kämpften. Sie begannen ihren Kampf 1941 im Zweiten Weltkrieg nach der Besetzung der baltischen Republiken durch die UdSSR. Die Waldbrüder verübten aus dem Hinterhalt Angriffe und griffen kleinere Einheiten der Roten Armee sowie lokale Einrichtungen der sowjetischen Behörden an. Einige Orte befreiten sie vor dem Eintreffen der deutschen Wehrmacht. Sie nahmen den Kampf nach der erneuten Besetzung durch die Rote Armee im Herbst 1944 wieder auf. Im Unterschied zu Litauen besaßen die estnischen Partisanen keine zentrale Führung und erhielten keine Unterstützung aus dem Ausland. Die Waldbrüder wurden von Abteilungen des sowjetischen Geheimdienstes NKWD (bzw. MWD und MGB) bis 1953 beseitigt. Bauern, die Partisanen unterstützt hatten, waren von Massenrepressionen betroffen.

Westarmenien

Westarmenien ist ein Gebiet in Kleinasien, das als „ethnische“ Wiege der Armenier gilt. Seit dem 14. Jahrhundert stand Westarmenien unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs. Ende des 19. Jahrhunderts, als die Armenier etwa die Hälfte der Bevölkerung Westarmeniens ausmachten, begannen sie, an die Weltgemeinschaft zu appellieren, um zu einer Lösung der armenischen Frage zu kommen („Haj dat“). Der Völkermord an den Armeniern 1915 bereitete der armenischen Präsenz in Westarmenien ein Ende. Heute gehört das Gebiet zur Türkei. Die Forderung, Westarmenien an einen vereinigten armenischen Staat anzuschließen, wurde in einigen programmatischen Schriften und Aufsätzen von Dissidentengruppen von den 50er bis in die 80er Jahre erhoben.

Wladimir-Gefängnis

Gefängnis in Wladimir unweit von Moskau, in dem neben kriminellen Strafgefangenen auch angebliche „besonders gefährliche Staatsverbrecher“ inhaftiert waren, die zu Lager- anstelle von Gefängnishaft verurteilt worden waren. Hinzu kamen Häftlinge, die wegen „Verstößen gegen die Lagerordnung“ hierher überstellt wurden. Von Mitte der 50er Jahre bis 1978 war das Wladimir-Gefängnis (Vladimirskaja tjur‘ma) die einzige politische Haftanstalt in der Sowjetunion. Die dortigen Bedingungen waren besonders hart, wovon die Weltöffentlichkeit in der poststalinistischen Periode durch das Buch „Meine Geständnisse“ (Moe zeznania) von Anatoli Martschenko erfahren konnte. Heute werden im Wladimir-Gefängnis besonders gefährliche, rückfällig gewordene Täter und Gefangene aus Besserungslagern festgehalten, die wegen notorischer Verletzung der Lagerordnung bestraft wurden. Mitte der 90er Jahre wurde im Gefängnis ein kleines Museum eingerichtet.