Glossar

„Napló“

Eine Aktion, die Ende der 70er Jahre von dem Schriftsteller Mihály Kornis in Ungarn initiiert wurde. Die Autoren des „Napló“ (Tageblatt) verfassten Texte vor allem zu politischen Themen und schickten sich diese gegenseitig zu. Die Aktion von Kornis dauerte bis 1982. Diese Initiative bereitete der ungarischen Samisdat-Literatur den Weg.

Nationale Rettungsfront

Provisorisches rumänisches Regierungsorgan, das sich nach der Entmachtung von Nicolae und Elena Ceaușescu am 22. Dezember 1989 konstituierte. Die Nationale Rettungsfront (Frontul Salvării Naționale) setzte sich aus Oppositionellen und parteiinternen Reformern zusammen, in der Praxis wurde die Macht jedoch von einer Gruppe ehemaliger Apparatschiks ausgeübt, an deren Spitze Ion Iliescu stand. Am 26. Dezember 1989, einen Tag nach der Hinrichtung von Nicolae und Elena Ceaușescu, setzte die Rettungsfront eine Regierung ein, deren Chef Petre Roman wurde (Sohn Walter Romans, eines bekannten kommunistischen Funktionärs). Die neue Regierung bestand in ihrer Mehrheit aus ehemaligen Kommunisten sowie aus Armee- und Geheimdienstoffizieren.

Am 23. Januar 1990 gestaltete sich die Rettungsfront – entgegen früheren Ankündigungen – in eine politische Partei um. Zum Zeichen des Protests verließen ehemalige Aktivisten der demokratischen Opposition, darunter Doina Maria Cornea und die Dichterin und Dissisentin Ana Blandiana die Organisation. Aus der Nationalen Rettungsfront ging de facto die sozialdemokratische Nachfolgepartei der Rumänischen Kommunistischen Partei hervor.

 

Neuer Wirtschaftsmechanismus

Von der kommunistischen Regierung Ungarns im Jahre 1968 eingeführter Mechanismus, der sich auf den sogenannten Faktor R gründete. Danach waren, wenn auch in sehr begrenztem Ausmaß, bestimmte marktwirtschaftliche Elemente sowie ein Wettbewerb zwischen Unternehmen zulässig, die diesen eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit verliehen, wenn sie auch weiterhin der Planwirtschaft untergeordnet blieben.

„Normalisierung“

Bezeichnung für die Politik der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) zur Wiedereinführung eines moskautreuen Staatssozialismus nach dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. Der Ausgangspunkt der sogenannten „Normalisierung“ lag im Moskauer Protokoll, das von der tschechoslowakischen Regierung unter sowjetischem Druck am 26. August 1968 unterschrieben wurde und die künftigen Richtlinien für die kommunistische Staatsführung vorgab. Das Protokoll genehmigte die Stationierung sowjetischen Militärs auf tschechoslowakischem Staatsgebiet und sprach von einer „Normalisierung“ der Verhältnisse im Einklang mit den marxistisch-leninistischen Grundsätzen. Die tschechoslowakische Regierung nahm daraufhin moskautreue Parteifunktionäre in ihre Reihen auf und machte die seit Januar 1968 eingeführten Reformen sukzessive wieder rückgängig. So wurde etwa die Zensur wieder eingeführt. Reformanhänger wurden aus der Partei ausgeschlossen und verloren ihre Arbeit. Im Dezember 1970 machte die Kommunistische Partei den Text „Die Lehren aus der krisenhaften Entwicklung“ zu ihrem neuen Grundsatzdokument.

Mit „Normalisierung“ werden auch die Jahre von 1969 bis 1989 insgesamt bezeichnet, in denen die Kommunistische Partei alle Bereiche des öffentlichen Lebens kontrollierte und auch das kulturelle und geistige Leben der Bürger sehr viel stärker einschränkte, als dies noch in der 60er Jahren der Fall gewesen war. In diese Phase fällt auch eine starke Ausweitung privater Konsummöglichkeiten sowie gleichzeitige gewaltige, zuweilen überflüssige staatliche Investitionen, die die tatsächlichen ökonomischen Möglichkeiten der Tschechoslowakei überstiegen und den technologischen Rückschritt des Landes eher noch verstärkten. Diese veränderten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen trieben viele Menschen in die Emigration. Unmittelbar nach 1968 verließen rund 80.000 Bürger die Tschechoslowakei. Die bekannteste Beschreibung der Zeit der „Normalisierung“ ist „Die Wiederherstellung der Ordnung“ (Obnovení pořádku) von Milan Šimečka.

NOWA

Als eine Gruppe von Studierenden der Katholischen Universität Lublin im Mai 1977 auf einem in Frankreich besorgten Spiritusdrucker im sogenannten Ormigverfahren die erste Ausgabe der literarischen Quartalszeitschrift „Zapis“ hergestellt hatte, erfanden sie die Bezeichnung Unzensiertes Verlagshaus (Nieocenzurowana Oficyna Wydawnicza). Das Vervielfältigungsgerät wurde dann an das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) weitergegeben, das in seiner Anfangsphase darauf seine Erklärungen und das „Biuletyn Informacyjny“ herstellte. Als man sich im Sommer 1977 auch an den Druck von Büchern machte, erhielt die Initiative auf Anregung von Mirosław Chojecki den Namen „Unabhängiges Verlagshaus NOWA“ (Niezależna Oficyna Wydawnicza NOWA), dessen informeller Leiter Mirosław Chojecki wurde. Bis 1981 brachte NOWA über 100 von der Zensur verbotene, für die polnische Kultur jedoch sehr bedeutsame Bücher heraus (unter anderem von Czesław Miłosz, Tadeusz Konwicki, Jerzy Andrzejewski, Witold Gombrowicz, Kazimierz Wierzyński, Günter Grass, Jan Nowak-Jeziorański, Bohumil Hrabal und Ossip Mandelstam). Auch Zeitschriften wurden herausgegeben, so zum Beispiel „Zapis“, „Krytyka“ sowie Publikationen der Gesellschaft für Wissenschaftliche Kurse.

Bei NOWA erschien in den 70er Jahren auch das „Schwarzbuch der Zensur in der Volksrepublik Polen“ (Czarna księga cenzury PRL), eine entlarvende Darstellung der geltenden Zensurbestimmungen. In den 70er Jahren war NOWA der größte unabhängige Verlag, in dem 1979 auch das Buch „Mała Apokalipsa“ (Deutsch: „Die polnische Apokalypse“, 1982) von Tadeusz Konwicki erschien, der erste Roman, der bereits bei seiner Entstehung so konzipiert war, dass er nur außerhalb der Zensur erscheinen konnte. Der Verlag verfügte über ein eingespieltes konspiratives Team von Druckern und ein breites Vertriebsnetz. Mit der Zeit entwickelte sich NOWA zu einem selbstständigen Verlagsunternehmen: Die Autoren und Übersetzer erhielten Honorare, auch die Drucker wurden bezahlt. Einige Druckaufträge wurden sogar „unter der Hand“ in staatlichen Druckereien realisiert.

Das Leitungsgremium von NOWA hieß „Kollegium“, zu dem Konrad Bieliński, Grzegorz Boguta, Marek Borowik, Marek Chimiak, Mirosław Chojecki, Adam Michnik, Jan Narożniak, Ewa Milewicz und Ryszard Knauff gehörten. Nach Ausrufung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 wurden die Verlagsleiter, die nicht gerade im Ausland weilten, interniert. Für eine kurze Zeit war Paweł Bąkowski neuer NOWA-Leiter, bevor dann der Historiker Adam Kersten den Verlag unter dem Namen „NOWA 2“ neu gründete. Ab 1983 lag die Verlagsleitung bei Grzegorz Boguta. NOWA gehörte weiter zu den erfolgreichsten Verlagen in Polen und brachte nun auch Tonband- und Videokassetten heraus. Bis 1989 erschienen bei NOWA über 300 Bücher.

Piotr Śmiłowicz