Glossar

„Impulse von Katholiken zur Verbesserung der Situation gläubiger Bürger in der ČSSR“

31-Punkte-Petition, die die Möglichkeit für ein religiöses Leben und Religionsfreiheit in der Tschechoslowakei forderte. Ungefähr 600.000 Menschen unterschrieben die Petition „Impulse von Katholiken zur Verbesserung der Situation gläubiger Bürger in der ČSSR“ (Podněty katolíků k řešení situace věřících občanů v ČSSR), darunter auch viele Nichtgläubige. Die Hälfte der Unterzeichner kam aus der Slowakei. Die Petition wurde im Namen des Katholischen Laienverbands „Friede auf Erden“ (Mír na Zemi), der von Augustin Navrátil im Oktober 1988 gegründet worden war, veröffentlicht.

„Informationen über die Charta 77“

Bedeutendste, ab Januar 1978 erscheinende tschechoslowakische Samisdatzeitschrift. Die „Informationen über die Charta 77“ (Informace o Chartě 77; INFOCH) veröffentlichten Dokumente der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, die regelmäßigen Berichte des Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten (Výbor na obranu nespravedlivě stíhaných; VONS), Petitionen, Erklärungen, Briefe und eine Reihe weiterer Materialien wie Polemiken, Gespräche, feuilletonistische Artikel und Hinweise auf andere Samisdatveröffentlichungen. Die Zeitschrift wurde maßgeblich auf Initiative von Petr Uhl gegründet. Sie erschien unabhängig von der Bürgerrechtsbewegung Charta 77, da ihre Sprecher und aktiven Mitglieder es ablehnten, sie im Namen der Bürgerrechtsbewegung herauszugeben. Mit der Erstellung und der Verteilung dieser zunächst monatlich, später zweiwöchentlich erscheinenden Publikation waren etliche Personen beschäftigt. Die „Informationen über die Charta 77“ wurden entweder mit der Schreibmaschine abgetippt oder auf Kopierern vervielfältigt. Von Beginn an gehörten neben Petr Uhl auch Václav Benda und Otka Bednářová der Redaktion an. Alle drei repräsentierten unterschiedliche politische Strömungen.

Ab April 1979 gaben die Herausgeber ihre Namen und Adressen öffentlich im Impressum an. Nach der Verhaftung der Mitglieder des Komitees zur Verteidigung der zu Unrecht Verfolgten, zu denen auch die drei Redakteure gehörten, erschien der Name Anna Šabatovás im Impressum. Nach der Freilassung Petr Uhls und seiner Rückkehr zur Redaktionsarbeit kam es zwischen ihm und Václav Benda zum Streit. Václav Benda verließ daraufhin die Redaktion. An seine Stelle in der Redaktion traten Petr Krejčí, Jiří Ruml und Jan Ruml. In den letzten Jahren gehörten auch Heřman Chromý und Pavla Paloušová zur Redaktion. Mitte der 80er Jahre stieg die Auflage dank verbesserter technischer Möglichkeiten auf über tausend Exemplare an.

Mehrere Personen wurden wegen ihrer Beteiligung am Druck und der Verteilung der Zeitschrift zu Freiheitsstrafen verurteilt: Jiřína Bedeiová, Petr Cibulka, Pavel Dudr, Jaromír Němec, Petr Pospíchal, Dušan Skála, andere Mitarbeiter aus anderen fingierten Gründen verhaftet. Die im Ausland tätige Stiftung „Charta 77“ finanzierte die „Informace“, die auch eine wichtige Informationsquelle für ausländische Presseagenturen war. Die Zeitschrift wurde von den im westeuropäischen Exil lebenden Oppositionellen als Faksimile herausgegeben und in mehrere Sprachen übersetzt.

Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR

Erste öffentlich aktive Oppositionsgruppe der UdSSR. Sie entstand im Mai 1969 auf Initiative von Pjotr Jakir und Wiktor Krasin. Zu ihr gehörten die Moskauer Tatjana Welikanowa, Natalja Gorbanewskaja, Sergei Kowaljow, Alexander Lawut, Anatoli Lewitin-Krasnow, Juri Malzew, Grigori Podjapolski, Tatjana Chodorowitsch und Anatoli Jakobson, aus Leningrad Wladimir Borisow, aus der Ukraine Henrich Altunjan und Leonid Pljuschtsch sowie der Vertreter der Krimtataren Mustafa Dschemilew.

Die „Initiativgruppe zur Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR“ (Iniciativnaja gruppa po zaščite prav čeloveka w SSSR) schrieb offene Briefe an internationale Organisationen – vor allem an die Vereinten Nationen – mit Informationen über politisch Verfolgte in der UdSSR. Sie bestand bis 1976, als ihre gesellschaftliche Rolle von der Moskauer Helsinki-Gruppe übernommen wurde. Praktisch alle ihrer Mitglieder waren von Repressionen betroffen, elf von 15 Personen wurden verhaftet und verurteilt, sieben wurden zur Emigration gezwungen.

IPN

Das Institut für Nationales Gedenken (Instytut Pamięci Narodowej; IPN) ist eine der wichtigsten Institutionen, die mit der neuesten Geschichte Polens befasst sind. Unter anderem ist es für die Akten des Staatssicherheitsdienstes der Volksrepublik Polen zuständig. Der erste Leiter des seit dem Jahr 2000 existierenden IPN war Leon Kieres. Ihm folgte 2005–10 Janusz Kurtyka, der beim Absturz der polnischen Präsidentenmaschine am 10. April 2010 im westrussischen Smolensk ums Leben kam. Nach dem Interimsleiter Franciszek Gryciuk (2010/11) wurde im Juni 2011 Łukasz Kamiński zum IPN-Leiter berufen. Nach dem Ende von dessen Amtszeit folgte ihm im Juli 2016 Jarosław Szarek im Amt. Organisatorisch gliedern sich die Aufgaben des IPN in drei Hauptbereiche: 1. Archiv (Büro für die Freigabe und die Archivierung von Dokumenten), 2. Forschung (Büro für öffentliche Bildung), 3. Strafverfolgung (Hauptkommission zur Strafverfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk).

Eine der gesetzlich festgeschriebenen Aufgaben des IPN ist die politische Bildung über Polen und die polnische Gesellschaft nach dem Jahr 1939. Die Historiker des IPN erforschen die Besatzungspolitik während des Zweiten Weltkriegs, den polnischen Untergrundstaat, die Politik der Partei- und Staatsführung der Volksrepublik Polen sowie verschiedene Formen des gesellschaftlichen Widerstands und der Opposition. Ergebnis dieser Arbeit sind zahlreiche wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen. Das IPN ist Herausgeber von Quelleneditionen, Monografien, Berichten, Erinnerungen, Biografien, Wörterbüchern, Materialien zur politischen Bildung und von Zeitschriften zur polnischen Zeitgeschichte. (Homepage des IPN: http://ipn.gov.pl/)

Bogusław Kopka