Hausdurchsuchung bei dem Dichter Petar Manolow, dem Sekretär der Unabhängigen Gesellschaft zum Schutz der Menschenrechte. Beschlagnahmt werden sein Literaturarchiv und das Archiv der Gesellschaft. Petar Manolow und Ilija Minew treten daraufhin in den Hungerstreik.

Es wird ein Gesetz beschlossen, das in Ungarn die Schaffung eines Mehrparteiensystems vorsieht.

In Prag finden zahlreiche Demonstrationen statt. Am 16. Januar legen Vertreter der Charta 77 und anderer unabhängiger Initiativen Blumen an dem Ort nieder, an dem sich 20 Jahre zuvor Jan Palach selbst verbrannt hatte. 16 Personen werden festgenommen, darunter Václav Havel, Dana Němcová und Saša Vondra. Noch am gleichen und an den folgenden Tagen nehmen immer wieder tausende Menschen an spontanen Demonstrationen teil. Die Polizei greift jedes Mal hart durch, rund tausend werden Menschen verhaftet, verhört, in Bussen aus der Stadt gebracht und oftmals längere Zeit einbehalten.

Frankreichs Staatspräsident François Mitterand, der auf Einladung Todor Schiwkows zu einem 30-stündigen Staatsbesuch in Bulgarien weilt, trifft sich zu einem Arbeitsfrühstück mit führenden bulgarischen Intellektuellen, die meisten von ihnen aus dem Umfeld des Klubs für Glasnost und Perestroika.

Pfarrer Stefan Niedziałek von der Karl-Borromäus-Gemeinde in Warschau-Powązki, Initiator des Sanktuariums für die im Osten Gefallenen, wird ermordet. Der Geistliche war zuvor bereits von „unbekannten Tätern“ drangsaliert worden. Seine Mörder werden nicht gefunden.

Während eines zweiten Treffens in Magdalenka, an dem Lech Wałęsa und Innenminister General Kiszczak teilnehmen, werden alle Regelungen in Bezug auf die angestrebten Verhandlungen am Runden Tisch getroffen.

Pfarrer Stanisław Suchowolec wird ermordet aufgefunden. Er hatte intensive Kontakte mit der Białystoker Opposition gepflegt. Die Verantwortung für den Priestermord wird von breiten Kreisen der Staatssicherheit zugeschrieben.

In Warschau finden die Gespräche am Runden Tisch statt. An den eigentlichen Plenarsitzungen nehmen 56 Personen teil: 20 Vertreter der Opposition, sechs Vertreter der offiziellen Gewerkschaften, 14 Vertreter der Regierungskoalition, 14 unabhängige Vertreter (davon fünf vom Bürgerkomitee und zwei von der Kirche). Die Verhandlungen, an denen insgesamt 452 Personen beteiligt sind, finden in den Arbeitsgruppen Wirtschafts- und Sozialpolitik, Politische Reformen und Gewerkschaftlicher Pluralismus statt, von denen einige wiederum Unterarbeitsgruppen haben. Die wichtigsten Fragen werden jedoch im Rahmen vertraulicher Gespräche entschieden. Die entscheidenden Unterhändler aufseiten der Solidarność sind Zbigniew Bujak, Władysław Frasyniuk, Bronisław Geremek, Lech Kaczyński, Jacek Kuroń, Tadeusz Mazowiecki, Adam Michnik und Lech Wałęsa. Zu den wichtigsten Verhandlungsthemen gehören die Wiederzulassung der Solidarność sowie der Zugang der Opposition zum Parlament. Die Einigung in dieser Frage lautet: für 35 % der Sitze im Unterhaus (Sejm) dürfen alle kandidieren, unabhängig vom jeweiligen politischen Lager. Die übrigen Sitze bleiben für die Regierungskoalition reserviert. Keine Beschränkungen hingegen gibt es für die Mandate, die für das neu zu schaffende Oberhaus (Senat) zu vergeben sind.

In Plowdiw wird die Unabhängige Gewerkschaft Podkrepa gegründet. Vorsitzender wird Konstantin Trentschew. Es ist die erste unabhängige Gewerkschaftsorganisation Bulgariens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Später wird sie unter dem Namen Gewerkschaftskonföderation Podkrepa bekannt.

Mehr als 650 wissenschaftliche Mitarbeiter der Tschechoslowakischen und der Slowakischen Akademie der Wissenschaften verurteilen in einem Brief an Ministerpräsident Ladislav Adamec das brutale Vorgehen der Polizei während der Januardemonstrationen in Prag und die spätere Verfolgung der Demonstranten.

Studentendemonstrationen in Białystok, Krakau, Posen und Warschau anlässlich des achten Jahrestages der Gründung des Unabhängigen Studentenverbandes. Gefordert wird dessen Wiederzulassung.

Erklärung von 102 bulgarischen Intellektuellen zur Unterstützung des in der Tschechoslowakei inhaftierten Václav Havel. Diese wird in Radio Freies Europa verlesen.

Das rumänischsprachige BBC-Programm strahlt den Wortlaut des Briefes der Sechs aus.

Die Generalstaatsanwaltschaft verkündet die Aufnahme von Ermittlungen gegen Mircea Răceanu (einen Stiefsohn von Grigore Răceanu, einem der Unterzeichner des Briefes der Sechs) wegen angeblicher „gefährlicher Spionagetätigkeit für die Vereinigten Staaten“. Răceanu wird im Juli 1989 zum Tode verurteilt, das Urteil jedoch nicht vollstreckt. Nach dem Sturz des Ceaușescu-Regimes im Dezember 1989 kommt er aus dem Gefängnis frei.

Das Komitee zum Schutz Religiöser Rechte, der Gewissensfreiheit und Geistiger Werte wird gegründet. Vorsitzender ist der orthodoxe Priester Christofor Sabew. Kurz darauf gründet sich der Christliche Bund Spassenie (Rettung), der ähnliche Ziele verfolgt.

Beginn der Gespräche am Runden Tisch der Opposition, an denen Vertreter der acht größten Organisationen teilnehmen. Vertreten sind: Ungarisches Demokratisches Forum, Bund Freier Demokraten, Fidesz, Unabhängige Partei der Kleinlandwirte, Sozialdemokratische Partei, Ungarische Volkspartei, Freundschaftsgesellschaft E. Bajcsy-Zsilinszky, Demokratische Liga Unabhängiger Gewerkschaften.

In Danzig veranstaltet die Kämpfende Solidarność eine Kundgebung gegen die am Runden Tisch beschlossenen, halbfreien Parlamentswahlen. Ähnliche Kundgebungen und Demonstrationen finden in anderen Städten statt.

Die Solidarność wird vom Woiwodschaftsgericht Warschau offiziell registriert.

Die Vertreter des Runden Tisches beschließen, Gespräche mit der USAP aufzunehmen.

Das Bürgerkomitee „Solidarność“ bestätigt seine Kandidatenliste für den Sejm und den Senat. Ab dem 28. April strahlt der Rundfunk, ab 9. Mai auch das Fernsehen Wahlkampfsendungen des Bürgerkomitees aus. Originell ist die Idee, die einzelnen Kandidaten – vor dem Hintergrund des Solidarność-Logos – auf einer Fotografie gemeinsam mit Lech Wałęsa abzubilden. Bei der Wahl im Juni kann nur ein einziger Kandidat des Bürgerkomitees kein Mandat erringen (Piotr Baumgart, der nicht mit einem solchen Foto in den Wahlkampf gezogen war).

Beginn des Rückzugs sowjetischer Truppen aus Ungarn.

Die unabhängigen Mai-Demonstrationen werden von Zusammenstößen mit der Miliz überschattet. In Danzig wird eine Demonstration gegen die ausgehandelten halbfreien Wahlen von der Miliz brutal auseinandergetrieben. Es gibt viele Verletzte.

Die Kommunalwahlen werden von Bürgerrechtlern beobachtet. Beim Abgleich der Ergebnisse der einzelnen Wahllokale mit dem verkündeten Wahlergebnis treten erhebliche Diskrepanzen auf. Die staatlich organisierte Fälschung der Wahlergebnisse konnte erstmals von der Opposition bewiesen werden. Fortan finden am Siebenten jeden Monats auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz Demonstrationen gegen die Wahlfälschung statt.

Erste Ausgabe der „Gazeta Wyborcza“ (Wahlzeitung) in einer Auflage von 150.000 Exemplaren: Sie trägt als legal erscheinende Tageszeitung der Opposition das Solidarność-Logo. Chefredakteur ist Adam Michnik.

In Krakau demonstriert die radikale Jugend. Vertreten sind der Unabhängige Studentenverband, die Konföderation Unabhängiges Polen, der Bund der Kämpfenden Jugend (Federacja Młodzieży Walczącej) sowie Studenten aus der Bewegung „Freiheit und Frieden“. Die Demonstrationen stehen unter dem Motto „Sowjets nach Hause!“ (Sowieci do domu!) und enden mit Zusammenstößen mit der Miliz.

In dem südbulgarischen Dorf Dschebel findet die erste organisierte Protestdemonstration von Türken statt. Es sind sieben Todesopfer und 28 Verletzte zu beklagen. Die Unruhen weiten sich auch auf den Nordosten Bulgariens aus, wo die türkischstämmige Bevölkerung gegen die Zwangsbulgarisierung ihrer Vor- und Familiennamen protestiert.

Sitzstreik in der Universität Warschau als Zeichen des Protests gegen die abgelehnte Registrierung des Unabhängigen Studentenverbandes durch das Woiwodschaftsgericht Warschau. An den Folgetagen greifen Streiks und Protestkundgebungen auch auf andere polnische Hochschulen über. Die Studierenden werden in ihrem Protest von der Kämpfenden Solidarność, von mit Lech Wałęsa und vom Landesexekutivausschuss der Solidarność unterstützt. Die Registrierung des Studentenverbandes erfolgt erst am 22. September 1989.

Die ersten (halb-)freien Wahlen in Polen: Wahlwerbung in Warschau

Etwa eine halbe Million Türken werden aus Bulgarien vertrieben.

Im ersten Wahlgang der halbfreien Parlamentswahlen erringen die Kandidaten des Bürgerkomitees bei einer Wahlbeteiligung von 62 % 160 von den 161 der Opposition zustehenden Sitze im Sejm (Unterhaus) und 92 von 100 Sitzen im Senat (Oberhaus). Im zweiten Wahlgang fallen noch einmal ein Sejm-Sitz und sieben Mandate im Senat an die Solidarność. Der großen Mehrheit der von der Regierungskoalition aufgestellten Kandidaten gelingt erst im zweiten Wahlgang (bei sehr geringer Wahlbeteiligung) der Einzug ins Parlament.

Auf dem Musikfestival „Lyra“ in Bratislava tritt die US-amerikanische Sängerin Joan Baez auf. Eines ihrer Lieder widmet sie dem inhaftierten Petr Cibulka. Von der Bühne grüßt sie die Bürgerrechtsbewegung Charta 77 und Václav Havel, der zusammen mit einigen anderen Bürgerrechtlern auf ihre Einladung hin anwesend ist.

Beratungen am sogenannten Dreieckigen Tisch, das heißt: Verhandlungen zwischen der USAP, den Oppositionsparteien des Runden Tisches und gesellschaftlichen Organisationen.

Symbolische Beisetzung von Imre Nagy. Viktor Orbán fordert den vollständigen Abzug sowjetischer Truppen aus Ungarn.

Im Sejm konstituiert sich die „Bürgerfraktion“ mit Bronisław Geremek als Fraktionsvorsitzendem.

Ein Sofioter Gericht lehnt die Registrierung des Unabhängigen Vereins Ekoglasnost ab, der sich in seiner Arbeit auf die Erfahrungen des Öffentlichen Komitees für den Schutz der Umwelt von Russe stützen will. Die Organisation ist seit Anfang des Jahres aktiv, kann ihre Gremien jedoch offiziell erst im April 1989 wählen.

Im litauischen Wilna (Vilnius) findet der Gründungskongress der „Weißrussischen Volksfront“ statt – einer analog zu den Volksfronten in Estland, Lettland und zur litauischen „Sąjūdis“ im Zuge der Perestroika entstandenen Bewegung. Die Weißrussische Volksfront ist die zahlenmäßig stärkste oppositionelle Organisation, deren Ziel die Erlangung der politischen und ökonomischen Souveränität Weißrusslands ist. Zum Vorsitzenden wird Sjanon Pasnjak gewählt.

Unabhängige Bauernaktivisten reaktivieren auf einer Zusammenkunft in Warschau die Polnische Bauernpartei (Polskie Stronnictwo Ludowe; PSL). Parteivorsitzender wird Józef Teliga.

Auf Initiative von György Krassó wird die Partei „Ungarischer Oktober“ gegründet.

Ljubomir Sobadschijew gründet die Menschenrechtsorganisation „Komitee 273“, die ihre Aufgabe unter anderem darin sieht, westliche Massenmedien mit Informationen über die Lage in Bulgarien zu versorgen. Durch ihre Tätigkeit erreicht die Organisation die Streichung des Paragraphen 273 aus dem Strafgesetzbuch, der sich gegen die Initiatoren unabhängiger Aktivitäten gerichtet hatte.

In Warschau treiben Spezialeinheiten der Miliz (ZOMO) eine Kundgebung der Konföderation Unabhängiges Polen auseinander. Dies ist nur eine von vielen Demonstrationen im Land, die sich gegen General Wojciech Jaruzelski als Präsidentschaftskandidaten wenden.

Adam Michnik veröffentlicht in der „Gazeta Wyborcza“ den Beitrag „Euer Präsident, unser Premierminister“ (Wasz prezydent, nasz premier), in dem er ein „demokratisches Bündnis der Opposition mit dem Reformflügel der bislang Herrschenden“ vorschlägt.

Der Essay „Imeto“ (Name) von Blaga Dimitrowa wird über das Akademiemitglied Alexei Scheludko dem französischen Diplomaten Yves Manville übergeben und dann von Radio Freies Europa, der Deutschen Welle und der BBC verlesen.

In Krynica Morska auf der Frischen Nehrung wird ein weiterer Seelsorger der Opposition (Pfarrer Sylwester Zych) ermordet.

Veröffentlichung der Petition „Einige Sätze“, deren Mitautor Václav Havel ist. Zu den Unterzeichnern gehören auch bekannte Künstler und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die bis dahin nicht mit der Opposition in Verbindung gestanden hatten.

General Wojciech Jaruzelski wird von der Nationalversammlung zum Staatspräsidenten der Volksrepublik Polen gewählt.

Während eines nicht offiziellen Aufenthalts in der Tschechoslowakei treffen sich die polnischen Bürgerrechtler Adam Michnik, Zbigniew Janas, Jan Lityński, Mirosław Jasiński und Zbigniew Bujak mit Václav Havel, Kardinal František Tomášek und Alexander Dubček.

Mutter Teresa von Kalkutta, selbst albanischer Herkunft, besucht das Land im Rahmen eines Privatbesuchs.

Im Sejm entsteht eine neue Koalition: Die Bürgerfraktion koaliert mit der Vereinigten Bauernpartei (Zjednoczone Stronnictwo Ludowe; ZSL) und der Demokratischen Partei (Stronnictwo Demokratyczne; SD), die sich von der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei losgesagt haben.

Auftakt des Gerichtsprozesses gegen mit Ján Čarnogurský, Miroslav Kusý, Hana Ponická, Anton Selecký und Vladimír Maňák, die sogenannten „Pressburger Fünf“. Ján Čarnogurský und Miroslav Kusý werden für ihren Brief an die Regierung der Slowakischen Sozialistischen Republik zu Gefängnisstrafen verurteilt. In dem Brief hatten sie die Regierung darüber informiert, dass sie Blumen an dem Ort niederlegen wollten, an dem Soldaten der sowjetischen Streitkräfte am 21. August 1968 die Studentin Danka Košanová erschossen hatten. Eine ähnliche Aktion zum Gedenken an die Opfer des Einmarsches von Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei sollte in Košice durchgeführt werden.

Hana Ponická (mit Hut) verlässt nach der Urteilsverkündung das Gerichtsgebäude in Bratislava. Nach drei Monaten kommt sie wieder aus dem Gefängnis frei.

160 DDR-Bürger nutzen ein „Paneuropäisches Picknick“ an der österreichisch-ungarischen Grenze zur Flucht in den Westen. Die ungarischen Grenzbeamten lassen es geschehen und reagieren nicht. In den bundesdeutschen Botschaften in Budapest, Prag und Warschau sowie in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin finden immer mehr DDR-Flüchtlinge Zuflucht.

Nicolae Ceaușescu schlägt den Zentralkomitees der Parteien des Sowjetblocks eine gemeinsame bewaffnete Intervention in Polen vor. Kein anderes Land unterstützt seine Initiative.

Protestdemonstration mit zwei Millionen Teilnehmern gegen die Folgen des Hitler-Stalin-Paktes. Höhepunkt ist eine Menschenkette, die durch alle drei baltischen Staaten von Wilna über Riga bis Tallinn reicht.

Der Sejm wählt Tadeusz Mazowiecki zum Vorsitzenden des Ministerrates. Er wird damit zum ersten nichtkommunistischen Regierungschef im Ostblock. Am 12. September bestätigt das Parlament auch die von Tadeusz Mazowiecki gebildete Regierung.

An der Montagsdemonstration in Leipzig nehmen rund 1.200 Menschen teil.

Die „Volksbewegung der Ukraine“ wird gegründet. An ihrer Spitze steht Wjatscheslaw Tschornowil.

Der Gründungsaufruf des Neuen Forums (NF) wird veröffentlicht. Darin wird der Staat zum Dialog mit der Gesellschaft über die Probleme des Landes aufgerufen. Den Gründungsaufruf unterschreiben binnen weniger Tage Tausende Bürger.

Die „Initiative für Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“ ruft zur Schaffung der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ (DJ) auf.

Das Neue Forum stellt bei den Behörden offiziell den Antrag auf Zulassung. Dieser wird von den Machthabern abgelehnt.

Sitzstreik, organisiert von Anhängern und Redaktionsmitgliedern der Untergrundmagazine „Demokrata“ (Der Demokrat) und „Égtájak között“ (Zwischen den Richtungen). Zuvor war deren gesamte Auflage nebst Druckmaschinen beschlagnahmt worden.

Montagsdemonstration in Leipzig mit zirka 15.000 Teilnehmern. Es kommt zu Übergriffen der Volkspolizei und zu Verhaftungen.

Mahnwachen in der Ost-Berliner Gethsemanekirche und täglich stattfindende Informationsgottesdienste.

Sonderzüge mit insgesamt 7.600 DDR-Flüchtlingen aus der bundesdeutschen Botschaft in Prag passieren auf ihrem Weg in den Westen das Territorium der DDR. Tausende Menschen in Dresden versuchen, den Bahnhof zu erreichen. Es kommt zu Straßenschlachten mit der Volkspolizei.

Der sowjetische Partei- und Staatschef Michail Gorbatschow weilt aus Anlass des 40. Jahrestages der DDR-Gründung in Ost-Berlin. Einige seiner Aussagen werden als Unterstützung für die Demokratiebewegung interpretiert.

Aus der USAP wird die Ungarische Sozialistische Partei.

In Ost-Berlin ziehen einige Tausend junge Menschen friedlich vom Alexanderplatz zum Palast der Republik, wo die offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung stattfinden. Nach der Abreise Michail Gorbatschows gehen Einheiten der Staatssicherheit gewaltsam gegen die Menschen vor. Zu Demonstrationen und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt es auch in Potsdam, Leipzig, Plauen und anderen Städten. In Schwante bei Berlin wird die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) gegründet.

Nach der Freilassung Miroslav Kusýs aus dem Gefängnis organisiert er erste Kontakte zwischen Vertretern der slowakischen Opposition und der ungarischen Minderheit.

Nach einem Gottesdienst in der Ost-Berliner Gethsemanekirche formiert sich ein Demonstrationszug, der von der Polizei brutal auseinandergetrieben wird. Es kommt zu zahlreichen Festnahmen und nachfolgenden Schikanen auf den Revieren der Volkspolizei.

An der Leipziger Montagsdemonstration für Freiheit und Demokratie nehmen 70.000 Menschen teil. Die Staatsmacht geht nicht mehr gewaltsam gegen die Demonstranten vor.

In Leipzig gehen 100.000 Menschen auf die Straße. Bis Weihnachten finden Montag für Montag Massendemonstrationen statt, deren Losungen immer radikaler werden. Auch in anderen Städten kommt es zu Demonstrationen.

In Sofia findet die internationale Umweltkonferenz Ekoforum statt – eine Gelegenheit für die Opposition, internationales Parkett zu betreten und um die Unterstützung des demokratischen Westens zu werben. Am aktivsten sind die Vertreter von Ekoglasnost, die bereits im Vorfeld der Konferenz Unterschriften gegen ein Projekt der Regierung sammeln. Während der Tagung selbst verteilen Aktivisten der Opposition Flugblätter, sammeln Unterschriften, laden zu Pressekonferenzen und Informationsveranstaltungen ein.

Durch eine Verfassungsänderung wird in Ungarn das Mehrparteiensystem eingeführt.

Partei- und Staatschef Erich Honecker tritt zurück. Sein Nachfolger Egon Krenz spricht in seiner ersten Rede von einer „Wende“, zu der die SED den Impuls gegeben habe.

Proklamation der Republik Ungarn.

Demonstration in Ost-Berlin gegen die Wahl von Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden. Auch in vielen anderen Städten gibt es Proteste, bei denen verschiedene Oppositionsgruppen ihre Forderungen artikulieren.

Mehrere tausend Menschen demonstrieren auf dem Prager Wenzelsplatz und in den umliegenden Straßen. Die Polizei versucht zunächst, die Demonstration zu verhindern und später, die Demonstranten vom Wenzelsplatz abzudrängen. Hunderte Demonstranten werden festgenommen. Zu einer ähnlich großen Demonstration kommt es auf dem Freiheitsplatz (Náměstí Svobody) in Brünn. Die in Ostrava geplante Demonstration wird von der Polizei, die rund 150 Personen festgenommen hatte, verhindert.

Die bulgarische Sektion des Internationalen Helsinki-Komitees wird gegründet.

In Breslau findet die Veranstaltung „Die unabhängige Kultur in der Tschechoslowakei“ statt, an der mehrere tausend Personen teilnehmen, darunter auch zahlreiche Tschechoslowaken. Viele werden allerdings an der Reise nach Breslau gehindert, die tschechoslowakisch-polnische Grenze ist in dieser Zeit faktisch abgeriegelt. Auf dem Festival treten tschechische Exilkünstler auf wie beispielsweise Karel Kryl und Jaroslav Hutka.

Auf dem Platz vor der Sofioter Alaxander-Newski-Kathedrale findet die erste nichtkommunistische Protestdemonstration statt, auf der eine Petition von Umweltschützern an das Parlament übergeben wird.

Etwa 500.000 Menschen nehmen an einer Großdemonstration auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz teil.

Fall der Berliner Mauer.

Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei entmachtet Todor Schiwkow. An seine Stelle tritt Petar Mladenow.

Öffentliche Aktion „Bratislava ohne Grenzen“, bei der sich erstmals Bürgerrechtler aus verschiedenen Milieus zusammentun. Zu ihnen gehören Ökologen, Künstler und Kunstaktivisten des Underground, Mitglieder der Untergrundkirche und der politischen Opposition.

Die erste Ausgabe der Wochenzeitung „Nesavisimost“ erscheint. In der Anfangsphase wird sie noch auf den Straßen Sofias plakatiert und auf Disketten verbreitet, die erste gedruckte Ausgabe erscheint am 12. April 1990.

In Bratislava verabschieden rund 500 Künstler, Intellektuelle und Studenten eine Erklärung, in der sie das gewalttätige Vorgehen der Polizei gegen die Studentendemonstration am 17. November 1989 verurteilen. Gleichzeitig fordern sie, das öffentliche Leben von „stalinistischen Elementen“ zu befreien.

In Prag wird das Bürgerforum gegründet. Studenten treten in den Streik und besetzen zentrale Universitätsgebäude.

Auf dem Prager Wenzelsplatz demonstrieren spontan mehrere tausend Menschen, um gegen die Polizeigewalt gegen die Studentendemonstration am 17. November 1989 zu protestieren. Die Demonstranten fordern grundlegende Veränderungen in der Tschechoslowakei. Ähnliche Demonstrationen finden in zahlreichen anderen Städten statt, in den folgenden Tagen dieser Revolutionswoche sogar täglich.

In Bratislava gründet sich in den Räumen der Kleinen Bühne (Malá scéna) des Slowakischen Nationaltheaters die Bürgerbewegung Öffentlichkeit gegen Gewalt.

Die gesamte Parteiführung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ) mit ihrem Ersten Sekretär Miloš Jakeš an der Spitze tritt geschlossen zurück. Dieses Eingeständnis der Niederlage der Kommunisten löst eine allgemeine Euphorie in der Bevölkerung aus.

Nach vierzigjähriger Unterbrechung nimmt die (Vereinigte) Bulgarische Sozialdemokratische Arbeiterpartei ihre Tätigkeit wieder auf. Der Name der Partei wird später in Bulgarische Sozialdemokratische Partei geändert.

Referendum zu den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

Bestätigung der Verfassungsänderung durch die Nationalversammlung. Aus der tschechoslowakischen Verfassung wird der Führungsanspruch der Kommunistischen Partei in der Gesellschaft und der Nationalen Front ebenso gestrichen wie der Artikel, der den Marxismus-Leninismus als Staatsideologie festgelegt hatte.

Erste antikommunistische Großkundgebung nach dem Sturz Todor Schiwkows unter der Losung: „Weg mit der Kommunistischen Partei!“

Zehntausende Demonstranten belagern das bulgarische Parlament und verlangen die Streichung von Artikel 1 der Verfassung, in dem die „führende Rolle der Partei“ verankert ist. In der extrem aufgeheizten Atmosphäre ruft der Vorsitzende der Union Demokratischer Kräfte zu Ruhe und Besonnenheit auf. Der neue Staats- und Parteichef Petar Mladenow hingegen fordert den Einsatz von Panzern. Seine Aussage wird dokumentiert und führt einige Monate später zu seinem Rücktritt.

Ausbruch von Unruhen in Temeswar (Timișoara). Eine Gruppe von Bürgerrechtlern versammelt sich vor dem Haus des ungarischen Pfarrers László Tőkés. Die Behörden unternehmen zunächst nichts, wodurch sich die Proteste in den Folgetagen zu regelrechten bewaffneten Straßenschlachten ausweiten. Dies ist der Beginn des Umsturzes im Dezember 1989, der das Ceaușescu-Regime beendet.

Trotz der angespannten Situation im Lande stattet Nicolae Ceaușescu dem Iran einen bereits länger geplanten Besuch ab.

Nicolae Ceaușescu ruft das Volk zu einer Kundgebung vor dem Gebäude des Zentralkommitees in Bukarest zusammen. In seiner Ansprache verspricht er Lohnerhöhungen, wird jedoch ausgepfiffen und muss im Inneren des ZK-Gebäudes Zuflucht suchen. In der Nacht brechen auf den Straßen von Bukarest und anderen Städten Unruhen aus.

Konstituierung der Nationalen Rettungsfront unter dem Vorsitz von Ion Iliescu, einem ehemaligen Parteifunktionär, der Anfang der 70er Jahre entmachtet worden war. Nicolae und Elena Ceaușescu fliehen mit einem Hubschrauber vom Dach des von Demonstranten belagerten ZK-Gebäudes aus Bukarest.

Nicolae und Elena Ceaușescu werden in einem fragwürdigen Schnellprozess im Kasernenkomplex Târgoviște zum Tode verurteilt und sofort erschossen, nachdem sie einige Tage zuvor festgenommen worden waren.

Die tschechoslowakische Nationalversammlung wählt Václav Havel einstimmig zum neuen Präsidenten der Tschechoslowakei.