Das Regime der „Normalisierung“ stabilisiert sich und die „Parteisäuberungen“ kommen zu ihrem Ende. Seit Beginn der „Normalisierung“ hatten rund 500.000 Menschen ihre Arbeit verloren, woraufhin sie sich in geringer qualifizierten Berufen ihren Lebensunterhalt verdienen mussten.

Einführung des pass- und visafreien Reiseverkehrs zwischen der DDR und Polen (zwei Wochen später auch mit der Tschechoslowakei).

Massive Wohnungs- und Hausdurchsuchungen in der Ukraine sowie Verhaftung von zunächst 20 Aktivisten der national-kulturellen Bewegung. Im Laufe des Jahres sind über 100 Personen von den Verhaftungen betroffen. Hunderte Menschen verlieren ihre Arbeit oder müssen andere außergerichtliche Repressionen über sich ergehen lassen.

Die erste Nummer der Untergrundzeitschrift „Chronik der Katholischen Kirche in Litauen“ erscheint (bis 1989 werden 81 Nummern herausgegeben). Leitender Redakteur ist zunächst Sigitas Tamkevičius (für die Nummern 1–57) und später Jonas Boruta. Die „Chronik“ dokumentiert die Verfolgung gläubiger Menschen, informiert über Widerstandsaktionen gegen den staatlich verordneten Atheismus und unterstützt diese.

Verfassungsänderungen. Die führende Rolle der USAP wird in die Verfassung aufgenommen.

Im litauischen Kaunas verbrennt sich der Schüler Romas Kalanta öffentlich als Zeichen des Protests gegen die sowjetische Okkupation Litauens.

Nach der von der Staatsführung im Geheimen gehaltenen Beerdigung von Romas Kalanta kommt es in Kaunas zu heftigen Demonstrationen und Zusammenstößen, die zwei Tage lang andauern.

Verhaftung von Piotr Jakir in Moskau.

Der Gerichtsprozess gegen Jan Tesař und andere endet für sie mit einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Dieses harte Urteil soll die Opposition abschrecken. Es löst, auch wenn es milder als die stalinistische Repression der 50er Jahre ausfällt, im Ausland jedoch eine Welle der Solidarität mit den Verurteilten aus.

Urteil im Prozess gegen die Brüder Kowalczyk, die in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober 1971 die Aula der Pädagogischen Hochschule in Oppeln (Opole) in die Luft gesprengt hatten. Die Aula war als Veranstaltungsort für eine Festveranstaltung zu Ehren von Staatssicherheit und Bürgermiliz vorgesehen. Jerzy Kowalcyzk wird zum Tode verurteilt, sein Bruder Ryszard zu 25 Jahren Gefängnis. Nach einer für die damalige Zeit beträchtlichen Anzahl von Gnadengesuchen (6.000 Unterschriften) ändert der Staatsrat das Todesurteil von Jerzy Kowalczyk in eine 25-jährige Haftstrafe um.

Verhaftung von Wiktor Krassin in Moskau.

An der Universität Warschau beginnen Proteste gegen das Vorhaben der Staatsführung, den offiziellen Polnischen Studentenverband (Zrzeszenie Studentów Polskich; ZSP), der sich an einigen Hochschulen eine gewisse Autonomie bewahrt hat, mit dem Verband der Sozialistischen Jugend (Związek Młodzieży Socjalistycznej; ZMS) zum einheitlichen Sozialistischen Polnischen Studentenverband (Socjalistyczny Związek Studentów Polskich; SZSP) zu verschmelzen. Diskussionen und Flugblattaktionen finden auch an der Katholischen Universität Lublin (Bogdan Borusewicz, Janusz Krupski) und an der Jagiellonen-Universität Krakau (Bronisław Wildstein) statt. Als im März 1973 über die Fusion abgestimmt wird, stimmen nur vier Delegierte der Universität Warschau (Konrad Bieliński, Jacek Santorski, Tadeusz Szawiel, Irena Wóycicka) dagegen.

Piotr Jakir und Wiktor Krassin rufen die anderen Menschenrechtler zu einer „ehrenhaften Kapitualtion“ gegenüber den Machthabern auf. Der KGB hatte die Herausgeber der „Chronik der laufenden Ereignisse“ mit der Drohung erpresst, die Repressionen auf allen Ebenen zu verstärken, sollte die „Chronik“ ihr Erscheinen fortsetzen.

Breschnew auf Staatsbesuch in Ungarn. Mit der Zeit kommt es zur Abkehr vom liberalen Kurs in Politik und Wirtschaft.