Fortsetzung der Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, die am 19. Januar 1967 begonnen hatte. Beschlossen wird, die Ämter von Staatspräsident und Erstem Sekretär der Partei zu trennen. Zum Ersten Sekretär wird Alexander Dubček gewählt. Auf diesem sogenannten Januarplenum werden die Weichen für die sich anschließende Reformphase gestellt, die den Prager Frühling einleitet. Es handelt sich um den Versuch, einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu schaffen.

Das Nationaltheater in Warschau spielt zum letzten Mal die „Totenfeier“ (Dziady) von Adam Mickiewicz in der Inszenierung von Kazimierz Dejmek. Das Stück wurde auf Verlangen der Behörden vom Spielplan genommen, die darin antirussische Anspielungen ausmachten. Das Theaterpublikum skandiert: „Unabhängigkeit ohne Zensur!“ Nach dem Ende der Vorstellung organisiert der Kommandotrupp eine Demonstration vor dem Mickiewicz-Denkmal. Immer wieder ertönen Sprechchöre: „Weg mit der Zensur!“ Die Miliz verhaftet über ein Dutzend Personen.

Irena Lasota übergibt der Kanzlei des Sejms eine von 3.000 Personen unterschriebene Protestresolution der Warschauer Jugend gegen das Verbot des Theaterstückes „Totenfeier“ (Dziady). Auch in Breslau sind Unterschriften gesammelt worden.

Janusz Szpotański wird zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Grund ist seine Oper „Die Stillen und die Gänse“ (Cisi i gęgacze), die in Abschriften von Hand zu Hand geht und als Satire auf das Regime und die unabhängige Intelligenz interpretiert wird. Das Urteil löst im literarischen Milieu Empörung aus.

Internationale Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien zur Weltlage in Bukarest: Die rumänische Delegation wird von den syrischen Teilnehmern scharf angegriffen, die ihr die Distanzierung von der Sowjetunion und einen falschen Standpunkt im israelisch-arabischen Konflikt vorwerfen. Rumänien verlässt daraufhin aus Protest die Beratungen. Dieses Ereignis markiert den Anfang einer fortschreitenden Isolierung Rumäniens innerhalb des Sowjetblocks und führt letztlich dazu, dass sich rumänische Truppen im August 1968 nicht am Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei beteiligen.

Es findet eine außerordentliche Vollversammlung der Warschauer Abteilung des Verbandes Polnischer Literaten statt, die der Affäre um die Absetzung des Theaterstücks „Totenfeier“ (Dziady) gewidmet ist. In einer von Jacek Bocheński, Andrzej Kijowski, Leszek Kołakowski, Artur Międzyrzecki und Wiktor Woroszylski initiierten Resolution heißt es: „Getragen von unserer Sorge als Bürger und in Übereinstimmung mit unserer jahrhundertealten Tradition rufen wir die Führung der Volksrepublik Polen auf, Toleranz und künstlerische Freiheit wiederherzustellen.“ Während der Versammlung wird über die staatliche Kulturpolitik diskutiert. Stefan Kisielewski nennt die Regierung eine „Diktatur von Finsterlingen“.

Unter dem Titel „Entwicklung eines politischen Systems für eine sozialistische Gesellschaft“ findet eine interdisziplinäre Forscherkonferenz statt, an der sowohl tschechische als auch slowakische Experten teilnehmen. Die slowakischen Wissenschaftler mit dem Ökonomen Hvězdoň Kočtúch an der Spitze fordern die Einführung eines föderalen Staatssystems. Die tschechischen Kollegen stimmen dieser Forderung mehrheitlich zu.

Im Innenhof der Universität Warschau versammeln sich nach Aufrufen des Kommandotrupps Tausende Studenten, um gegen die einige Tage zuvor erfolgte Zwangsexmatrikulation von Adam Michnik und Henryk Szlajfer zu protestieren. Die Kundgebung wird in brutaler Weise von der Miliz und von „Arbeiterwehr“ genannten bewaffneten Schlägertrupps aufgelöst. Vor und nach der Demonstration gibt es Massenverhaftungen unter den Studenten und ihren Mentoren (schon vor der Kundgebung waren Jacek Kuroń, Adam Michnik und Karol Modzelewski inhaftiert worden). An den Folgetagen kommt es zu machtvollen Protesten (verknüpft mit Streiks) an allen bedeutenden Hochschulstandorten des Landes, bei denen insgesamt 2.700 Personen festgenommen werden.

Die Parlamentariergruppe Znak richtet wegen der Märzereignisse eine Anfrage an den Parlamentspräsidenten. Darin erklären die Abgeordneten ihre Solidarität mit den Studierenden und verlangen Aufklärung über die Gründe der Gewaltanwendung durch die Miliz.

Unter öffentlichem Druck tritt Michal Chudík, der Präsident des Slowakischen Nationalrates und Anhänger von Antonín Novotný, von seinem Amt zurück. Auf Drängen von politischen Vertretern aus der Slowakei übernimmt die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei die Idee des Föderalismus in ihr Programm. Der slowakische Landesteil erneuert im Frühling die Landesverfassung mit dem Ziel, das slowakische Nationalbewusstsein zu stärken.

Gründung des Klubs-231, der zum Treffpunkt für ehemalige politische Häftlinge wird, die auf Grundlage des Gesetzes zum Schutz der Republik verurteilt worden waren. Andere Zentren der sich zaghaft entwickelnden Zivilgesellschaft werden der Klub Engagierter Parteiloser, die Gruppe „Werk der Konzilserneuerung“, der Kreis unabhängiger Schriftsteller und das Organisationskomitee der Sozialdemokratischen Partei. Der offizielle Tschechoslowakische Jugendverband wird aufgelöst, der Demokratische Studentenverband für die Höheren Schulen gegründet und innerhalb des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbands entsteht ein Kreis unabhängiger Schriftsteller. In der Slowakei gründet sich die „Gesellschaft zur Verteidigung der Menschenrechte“ (Spoločnosť pre ochranu ľudských práv).

Auf einem Treffen der Parteichefs der Mitgliedstaaten des Warschauer Pakts in Dresden attackiert Walter Ulbricht den Reformkurs in der Tschechoslowakei (Prager Frühling).

In der Morgenpresse erscheint die Mitteilung, dass die folgenden Mitarbeiter der Universität Warschau entlassen sind: die Professoren Bronisław Baczka, Leszek Kołakowski, Stefan Morawski sowie die Dozenten Zygmunt Bauman und Maria Hirszowicz. Im Rahmen politischer Säuberungsaktionen im ganzen Land, die zumeist nach antisemitischen Grundsätzen erfolgen, verlieren viele tausend ihren Arbeitsplatz, ihren Studienplatz oder die Mitgliedschaft in gesellschaftlichen oder politischen Gremien und Organisationen. Die Kündigungen und Entlassungen sind begleitet von einer antisemitischen und antiintellektuellen Propagandakampagne. 1968/69 verlassen mehr als 15.000 Menschen jüdischer Herkunft das Land.

Auf einer Marxismus-Konferenz in Ost-Berlin polemisiert SED-Chefideologe Kurt Hager gegen den Reformkurs der tschechoslowakischen Parteiführung und greift dabei den Präsidenten der Tschechoslowakischen Nationalversammlung, Josef Smrkovský, auch persönlich an. Die Propagandakampagne nimmt in den folgenden Monaten noch an Schärfe zu. In den Massenmedien ist die Rede von der Gefahr einer „schleichenden Konterrevolution“. In der einfachen Bevölkerung hingegen, vor allem unter Jugendlichen und Intellektuellen, wird dem Prager Frühling Sympathie entgegengebracht. Viele verbringen ihren Urlaub in der Tschechoslowakei.

Die Volkskammer beschließt eine neue Verfassung.

Auf einer Kundgebung an der Universität Warschau wird die „Deklaration der Studentenbewegung“ (Deklaracja ruchu studenckiego) verabschiedet, das wichtigste programmatische Dokument des März 1968, in dem die Forderungen der Studentenschaft zusammengefasst sind. Verlangt wird eine tiefgehende Reform des Staates mit dem Ziel einer Beschneidung der Parteiherrschaft sowie die Achtung und Erweiterung bürgerlicher Freiheiten.   


Studentenunruhen im *März 1968: Straßenszene am 8. März 1968 in Warschau während des Streiks der Studenten der Warschauer Universität

Essay von Andrei Sacharow: „Überlegungen zu Fortschritt, friedlicher Koexistenz und intellektueller Freiheit“ (Rasmyšlanija o progresse, mirnom sosuščestvovanii i intellektual‘noj svobode). Der Text findet ab Mai Verbreitung über Samisdat-Kanäle.

Die Tageszeitung „Rudé právo“ (Rotes Recht) druckt das Reformprogramm der Partei mit dem Namen „Aktionsprogram der KSČ“ (Akční program KSČ).

Gewaltsame Auflösung einer Massendemonstration der Krimtataren in der Stadt Chirchiq (Tschirtschik) in der Usbekischen SSR (Ereignisse in Chirchiq).

In Moskau erscheint die erste Nummer der „Chronik der laufenden Ereignisse“. Die Initiative zu diesem Samisdat-Bulletin geht auf Natalja Gorbanewskaja zurück. Es informiert über Fälle von Menschenrechtsverletzungen in der UdSSR und über den Kampf um deren Durchsetzung. Bis 1983 erscheinen 63 Ausgaben der Chronik.

Bogdan Borusewicz, 19-jähriger Schüler des Kunstgymnasiums in Gdynia, wird wegen des Anbringens von selbst gefertigten Flugblättern gegen die Repressionen nach den Märzereignissen verhaftet. Ein Jahr später wird er zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Während des Transports gelingt ihm die Flucht aus dem Woiwodschaftspräsidium der Bürgermiliz. Er versteckt sich fünf Tage im Wald, wird später jedoch gefasst. Aus der Haft entlassen wird er im Juli 1969 im Rahmen einer Amnestie.

Demonstration der Krimtataren in Moskau. Mehrere Hundert Tataren, die aus Usbekistan zu der Demonstration angereist sind, werden zwangsweise dorthin zurückgeschickt.

Petar Bojadschew wird verhaftet und zusammen mit anderen Angeklagten zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

Abschaffung des Justizministeriums. Gerichtsverhandlungen werden fortan vor Militärgerichten geführt. Für weniger bedeutsame Prozesse sind sogenannte Volksgerichte zuständig.

Die Nationalversammlung löst die seit Ende Februar faktisch beendete Tätigkeit der tschechoslowakischen Zensurbehörde, die Hauptverwaltung zur Aufsicht über die Presse, auf.

Die Wochenzeitschrift „Literární listy“ (Literaturblätter) sowie drei landesweite Tageszeitungen publizieren das von Ludvík Vaculík verfasste „Manifest der 2.000 Worte“. Zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und viele einfache Bürger unterschreiben diesen Aufruf. Die Parteiführung kritisiert den Text, der die tschechoslowakische Gesellschaft aufruft, eine breit aufgestellte gesellschaftliche Bürgerbewegung für Demokratie zu schaffen.

Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. In der DDR kommt es zu unkoordinierten Protestaktionen gegen diese Invasion (Flugblätter, Losungen, Verweigerung der Unterschrift unter Erklärungen zur Unterstützung der DDR-Politik gegenüber der ČSSR). Die Staatsmacht reagiert darauf mit Verhaftungen. Gegen Schüler und Studenten werden Verweise und Zwangsexmatrikulationen ausgesprochen. Wegen „Straftaten“ dieser Art werden nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft in der Zeit bis zum 15. Oktober 1.189 Personen festgenommen.

Militärischer Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. Die tschechoslowakische Gesellschaft reagiert mit wochenlangen Massenprotesten auf die Invasion. Dennoch führt diese Militärintervention zur Rückkehr der Polizei- und Bürokratiediktatur, die als „Normalisierung“ bezeichnet wird. Die führenden Vertreter von Staat und Partei werden am folgenden Tag nach Moskau geflogen, wo sie mit der sowjetischen Parteiführung über die Anerkennung der Besatzung der Tschechoslowakei durch die Warschauer-Pakt-Truppen verhandeln.  

Bratislava während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968: Auf den Plakaten im Schaufenster steht auf Russisch: „Sowjetische Soldaten, man hat euch betrogen!“ und „(Eure) Technik ist groß – Kultur habt ihr nicht“. Die Aufnahme wurde von den sowjetischen Besatzungstruppen gemacht.

Bratislava während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968. Die Aufnahme wurde von den Besatzungstruppen gemacht und 1981 vom KGB an die tschechoslowakische Staatssicherheit übergeben.

Nach der Meldung über den Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei hält Nicolae Ceaușescu auf einer Kundgebung vor dem Sitz des Zentralkomitees in Bukarest eine Rede, in der er entschieden gegen den Einmarsch protestiert. Diese Haltung bringt ihm viel Sympathie sowohl bei der rumänischen Bevölkerung als auch im Westen ein. Gleichzeitig steigt die Angst vor einer sowjetischen Intervention auch in Rumänien.

Ein außerordentlicher Parteitag der Kommunistischen Partei verurteilt den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei und erklärt den Willen, die demokratischen Reformen fortzusetzen.

Bratislava während des *Einmarsches von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968: Links steht auf Slowakisch: „Dubček, wir sind bei dir! Deine Jugend“, rechts auf Russisch: „Iwan, geh nach Hause!“ und „Wir haben euch nicht gerufen“. (Aufnahme der sowjetischen Besatzungstruppen)

Protest-Plakat in Bratislava gegen den *Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 (Aufnahme der sowjetischen Besatzungstruppen)

Mit Ausnahme František Kriegels unterschreiben alle führenden Vertreter der Tschechoslowakei den Moskauer Vertrag, der die Stationierung fremden Militärs auf tschechoslowakischen Boden nachträglich legalisiert. Dieser Vertrag verpflichtet die tschechoslowakischen Politiker zudem zu weiteren Maßnahmen: Die meisten unabhängigen Zeitungen werden eingestellt („Reportér“, „Politika“ und in der Slowakei „Kultúrny život“, unabhängige Organisationen aufgelöst und eine Zensurbehörde für Presse und Information, ehemals die Hauptverwaltung zur Aufsicht über die Presse, neu gegründet, was faktisch die Wiedereinführung staatlicher Kontrolle über die Medien bedeutet. Anhänger des Reformprozesses werden von ihren Ämtern in Partei, Regierung, Radio und Fernsehen abberufen.

In Bratislava findet der außerordentliche Parteitag der Kommunistischen Partei der Slowakei statt. Der Erste Sekretär Gustáv Husák bedient sich während seiner Rede nationaler Stimmungen, um die Beschlüsse des außerordentlichen Parteitags der Tschechoslowakischen KP vom 22. August zu widerrufen.

Gegen den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei kommt es in vielen Regionen des Landes zu Protesten. Im Straßenbild sieht man regierungsfeindliche Losungen, Flugblätter werden verteilt. Jerzy Andrzejewski verfasst eine Solidaritätsadresse an den Vorsitzenden des Tschechoslowakischen Schriftstellerverbandes, der Komponist Zygmunt Mycielski wendet sich mit Worten der Unterstützung an die tschechischen und slowakischen Musiker.

Der Verlag „Bălgarski chudoschnik“ bringt die Epigrammsammlung „Luti čuški“ (Peperoni) des Satirikers und Dichters Radoj Ralin heraus. Auf Geheiß der Zensurbehörde wird ein Teil der Auflage sofort eingestampft. Ralin gilt fortan in der bulgarischen Gesellschaft als unabhängige moralische Autorität.

Während des Erntedankfestes im Warschauer „Stadion des 10. Jahrestages“ verbrennt sich Ryszard Siwiec selbst. Er protestiert damit gegen den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei (unter Beteiligung polnischer Verbände). Siwiec stirbt wenige Tage später an den Folgen seiner Verbrennungen.

Prozess gegen fünf Teilnehmer der Demonstration auf dem Roten Platz: Konstantin Babizki, Larissa Bogoras-Bruchman, Wadim Delaunay, Wladimir Dremlugi und Pawel Litwinow.

Verabschiedung einer neuen Verfassung mit verstärkten föderativen Elementen.

In Warschau beginnt der erste Prozess gegen Mitglieder des sogenannten Kommandotrupps. Józef Dajczgewand wird zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, Sławomir Kretkowski zu anderthalb Jahren. Im Dezember erhalten Jan Lityński zweieinhalb, Seweryn Blumsztajn zwei Jahre Gefängnis. In weiteren Prozessen gegen den Kommandotrupp werden im Februar und April 1969 noch weitere sieben Personen verurteilt.

Als Reaktion auf die Sitzung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, auf der die Parteiführung den Kurs der „Normalisierung“ bestätigt, bricht ein dreitägiger studentischer Streik an den Hochschulen aus.

Studentenkundgebung in der Bukarester Innnestadt, auf der Losungen gegen Nicolae Ceaușescu und gegen die Sowjetunion skandiert werden. Die Miliz greift nicht ein, die Demonstration wird mit Hilfe von Aktivisten aus den staatlichen Jugendorganisationen unter Kontrolle gebracht und greift nicht auf andere Städte über.