Die Geschichte der Opposition in Ungarn

Der ungarische Volksaufstand, die Ungarische Revolution von 1956, wurde mit besonderer Härte niedergeschlagen. Über 500 Menschen wurden hingerichtet, Zehntausende kamen in Internierungslager oder ins Gefängnis, 200.000 Menschen verließen das Land. Grund dafür, dass die ungarische Gesellschaft sich mit der Rückkehr zur Diktatur abfand, war jedoch nicht allein die Angst. Auch die Partei zog aus der Revolution die Schlussfolgerung, dass die Geduld der Gesellschaft ihre Grenzen hat. Das sich konsolidierende kommunistische System stellte die Massenverfolgungen ein und sorgte über längere Zeit für einen steigenden Lebensstandard – selbst um den Preis einer immensen Auslandsverschuldung. Der „Gulaschkommunismus“ – halblegale private Initiativen in den Nischen der verstaatlichten Wirtschaft – ermöglichten es einer großen Anzahl von Bürgern, im Rahmen des bestehenden Systems eigene Interessen zu verwirklichen. Dafür mussten sie jedoch diverse Kompromisse in Kauf nehmen.

Die Zensur wurde mit der Zeit immer liberaler. Solange bestimmte Tabuthemen in der Literatur vermieden wurden, war sogar eine durchaus kritische Beschreibung gesellschaftlicher Phänomene möglich. 1963 wurden im Rahmen einer Amnestie die verurteilten Revolutionäre von 1956 aus den Gefängnissen entlassen. Unter schärfster Beobachtung der Sicherheitsbehörden befanden sich jedoch die kommunistischen „Revisionisten“, die nicht einmal im Traum an eine wie auch immer geartete politische Betätigung denken konnten.

Das relativ hohe Lebensniveau und die Überzeugung, jegliche oppositionelle Aktivitäten könnten die politische Lage in der Diktatur nur verschlimmern, waren die Ursache dafür, dass die ersten zaghaften Versuche einer Wiederbelebung oppositioneller Tätigkeit erst Mitte der 70er Jahre aufkamen – im Umkreis der Budapester Intelligenz und der Schule des Philosophen Georg Lukács. Es entstanden damals Werke mit einer fundierten Kritik des Marxismus. György Márkus und die zwei wichtigsten Persönlichkeiten des Lukács-Kreises, György Bence und János Kis, legten in ihrem umfangreichen Werk „Wie ist eine kritische Wirtschaftslehre möglich?“ (Hogyan lehetséges kritikai gazdaságtan?) eine kritische Analyse der strukturellen Fehler im Marx’schen „Kapital“ vor. Ähnlich äußerte sich Miklós Haraszti, der nach seiner Zwangsexmatrikulation (wegen maoistischer Ansichten) in einer Budapester Fabrik arbeitete und seine dortigen Erfahrungen in dem Buch „Akkordarbeit“ (Darabbér) beschrieb. Er stellte fest, dass der Sozialismus kein einziges seiner Versprechen gehalten habe, so auch nicht die Verheißung, dass an die Stelle der Entfremdung durch Arbeit eine Beschäftigung treten werde, die zu Emanzipierung, Entwicklung und Selbstverwirklichung führen würde. In Wirklichkeit befinde sich der Arbeiter im „Arbeiterstaat“ heute in einer größeren Abhängigkeit als im Kapitalismus.

Auch viele andere Mitglieder der Lukács-Schule wurden an den Pranger gestellt und in ihrer wissenschaftlichen Arbeit behindert (unter anderen Márkus). Haraszti wurde wegen Aufwiegelung vor Gericht gestellt und zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt. Das Manuskript des Buches „Der Weg der Intelligenz an die Macht“ (Az értelmiség utja a hatalomhoz) von György Konrád und dem Soziologen Iván Szelényi wurde „nur“ beschlagnahmt, zu einem Prozess gegen die beiden kam es nicht.

Zur Oppositionsgeschichte

Erinnerungskultur in Ungarn

Hier finden Sie demnächst Informationen über die heutige Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur in Russland. Wir bitten um etwas Geduld.

Landeschronik von Ungarn

01.02.1946

Proklamation der Republik Ungarn.

 

10.02.1947

Unterzeichnung des Friedensvertrages mit den Staaten der Anti-Hitler-Koalition, Paris.

 

31.08.1947

Parlamentswahl. Durch Wahlmanipulation erhält der Linke Block ca. 60 % der Parlamentssitze.